1.

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Sigmund von Birken: 1. (1665)

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Prinz gelehrter Leyer-Lieder/
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Herzog deiner Sternenbrüder!
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laß mir deinen Einfluß fliessen!
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Ach! wer itzt in Aganippen
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möchte baden seine Lippen/
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an Parnassens nassen Füssen!
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Kämen doch/ die Pegas-brunnen/
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mit der Pegnitz itzt gerunnen/
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die da Geister giessen ein!
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ach! da wolt ich trunken werden!
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da solt recht besungen seyn
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Dafne/ unsre Zier der Erden.

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Zwar/ ob Föbus nit will scheinen:
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Ich weiß hier der Föben einen/
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der auch Geistern gibet Feuer;
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dessen Ruhm-Liecht Sonne-strahlet/
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und sein Stam̄haus Himmel-mahlet;
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der auch spielt auf Föbus Leyer.
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Und es kan/ in Schäfer-gründen/
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seine Gunst/ den Geist entzünden/
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stärker/ als der Helikon.
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Eine Dafne wir auch kennen/
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die/ wie Hyperions Sohn/
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er anschauet mit Entbrennen.

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Spielt mir nun/ ihr Musen-Träume!
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was zeigt/ hier der Prinz der Bäume?
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was blickt von der Lorbeer-Läube?
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Ists das Bildnis von Evadne?
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Cadmus-Schwester? Ariadne?
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Ists Oenone/ wie ich gläube?
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Eine solche Zier anstünde/
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Cepheus/ deinem Wunder-Kinde!
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ob es Tyndaris auch ist?
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Nein! in diese schönst-geschaffne/
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alle Zier zusammen fliest:
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Es ist/ unsres Dafnis Dafne.

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Preist/ ihr Sänger bey den Heerden!
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diesen Himmel dieser Erden.
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Seht ein Göttlichs Angesichte!
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wo sich Ernst und Huld vermählen/
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und sie sonder Red’ empfehlen.
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Hier ist Inhalt zum Gedichte!
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hier sich Amor selbst ergetzet/
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und ihm auf die Stirne setzet
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einen Thron von Helfenbein.
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Dort er Pfeile pflegt zuspitzen/
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auch der Augen Blick und Schein:
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unsren Dafnis wund zuritzen.

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Sind wol diß der Flora Wangen?
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seht den Schnee der Liljen prangen/
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eingemängt in Rosenblätter!
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der Rubinen-Mund/ im Lachen/
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Perlen sichtbar pflegt zumachen:
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zeigt ein Kleinod vor die Götter.
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Zwischen blanker Locken Seide/
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blinket diese Augenweide/
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wie Aurora/ wann von ihr
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wird der weisse Tag gebohren.
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Unsrem Dafnis/ solche Zier/
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die Natur hat zuerkohren.

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Lebends Marmor/ das man schauet/
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eine Schönheit-Seul’ hier bauet/
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eingeädert mit Saffiren:
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Hals und Nacken schnur-recht windet/
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und den Busen doppelründet;
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einen Wunder-bau zuführen.
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Händ’ und Arme ziert Alpaster/
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macht die Schönheit noch verfasster.
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Und/ das mehr! ein grosser Geist
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blickt aus aller dieser Zierde;
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die ein’ Edle Herberg heist
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dieses Gasts von gleicher Würde.

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Sie ist/ in so zarter Jugend/
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reif schon an Verstand und Tugend/
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zeigt zugleich die Frücht und Blüte.
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Von des Mundes lieben Lippen/
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aus den schönsten Purpurklippen/
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schallt ein himmlisches Gemüte.
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Süsses Sehen/ freundlichs Lachen/
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diese Schönheit schöner machen.
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Also sichs von Göttern stammt:
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in der theuren Fürstinn Kinde/
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solche Mutter-flamme stammt/
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die ein solches Herz entzünde.

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Solt ein Föbus nicht entbrennen?
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solt er lieben nicht/ nur kennen/
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so ein B
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Dafnis/ diese soviel Gaben/
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Dafnis soll die Dafne haben:
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daß Sie sein Haus Lorbeer-kröne.
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Alle ihres Hauses Zierden/
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alle hohe Ankunft-Würden/
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Dafne bringt dem Dafnis mit.
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Ehr sie bringet und wird finden.
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Palm- und Lorbeer-Laub/ man siht
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sich in Einen Kranz verbinden.

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Dafne/ nun/ du Zier der Erden!
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du solst/ was du heisest/ werden.
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Eingepfropft dem Palmen-Stam̄en/
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mach Ihn ewig grünen/ zweigen/
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und stäts Lorbeer-Kronen zeugen.
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Dafnis! Dafne! wachst zusammen!
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Himmels-Wärm’ und Erden-Fette/
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segne allzeit eure Stätte/
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wo ihr mit der Wurzel geht.
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Wachst/ hin zu den Sternenfeldern!
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Bis Ihr endlich herrlich steht/
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dort in den Elyser-Wäldern.

(Birken, Sigmund von: Pegnesische Gesprächspiel-Gesellschaft von Nymfen und Hirten. Nürnberg, 1665.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Sigmund von Birken
(16261681)

* 25.04.1626 in Skalná, † 12.06.1681 in Nürnberg

männlich

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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