Ringel-Lied

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Sigmund von Birken: Ringel-Lied (1665)

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Am Leyta-Strand/ wo er die Donau grüsset
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von ferne schon/ das grüne Ufer küsset
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der Trautmans-Burg/ im alten Pan̄ons-
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ließ’ Artaban’/ ein Edler Held/ erklingen
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sein Lied von Leid. Ihn hört’/ ein Hirte/ singē/

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(de
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Mein Säitenspiel! hang du an dieser Wei
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mach/ wie du pflegst/ itzund mir keine Freud
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Mit Unmut nur mein Schmerz sich trö-
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Doch nein! kom̄ her! du must mir helfen sag
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von meinem Leid/ du must mir helfen klagen

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Emilie ist todt! und ich kan leben?
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ward nicht/ mein Geist/ mit ihrem hingegebē
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wie daß ich noch/ da sie gefallen/ steb?
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Ihr Faunen ihr/ in diesen Wäldereyen!
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ihr Satyren! ihr Hirten! helft mir schreyen

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Ihr thut Gewalt/ ihr Fata! du Gesetze
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der Sterblichkeit! und du des Todes Netze!
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diß euer Thun/ hat keine Rechts-gestalt.
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Ihr tödt: was lebt zu aller Welt Behagen/
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wz liebt und labt. Ich muß noch einmal sagē:

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Gern wolt ich ja/ O Himmel/ deinem Willen
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itzt geben Ehr: das Herz ist nicht zustillen.
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Noch ist vō Ihr/ dz Schmerz-andenken da.
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Dem Leib/ sie starb: der Liebe Sie noch lebet.
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Ach! die Vernunft der Angst nit widerstrebet:

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Ach helft mir doch dem hartem Himmel flehen/
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ihr Saiten ihr! ihn so erweicht zusehen:
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daß er mir gönn die Schönste länger noch.
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Ob ihr zu euch/ ihr Sternen/ Sie genommen
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in eure Zahl: lasst Sie mir widerkommen!

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Es ist noch Zeit. Kein Mensch kan euch ent- laufen/
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(fen
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ihr Parcen ihr! man komt dem Todten-hau-
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doch endlich zu. Hier ist kein’ Ewigkeit.
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Lass du Sie nur mich noch ein Zeitlang laben!
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du solst sie doch/ O Himmel! einmal haben:

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Erlaubt es nicht dein Raht/ sie mir zu geben
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so nim̄ auch mir das nun als-todte Leben.
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Wan̄ meine Klag dir nicht dz Herze bricht:
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So mag der Tod hier diß/ das meine/ brechen
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Doch du bist ja so hart nit! dein Versprechen

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So sehnlich sang/ in süssen Klang der Säitem/
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der Edle Held. Es hörten Ihm/ von weiten/
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die Nymfen zu. Das Wild/ zu Ihm sich
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Es merkten auf/ die schlanken Tan̄en-kerzen.
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Der Wald erseufzt’. Als Er/ von seinen
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(schmerzen/

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Der Himmel hört' unm ehrte dieses Singen.
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Ein Traumgesicht/ must Ihm die Antwort
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(kehr
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Ein schönstes Bild/ sein Leid in Freud ver
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Ihr Blick ihm gab sein vorigs Herzbehagen.
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Er fande wahr: daß ein nit-müdes Klagen

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Sie sprach Ihm zu: Dir kan nit wieder werden
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Emilia/ sie komt nit mehr auf Erden.
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Sie will Ich seyn/ dein Leben/ deine Ruh.
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Und diesen Gruß hab dir von Leonoren/
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die Oettingen/ der alte Stamm/ gebohren:

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Als Er erwacht: da war sein Herz geheilet.
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es wird ergänzt/ das vormals war getheilet:
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nun Ihm/ das Glück/ den Traum hat wahr
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Laß/ Himmel! Ihn von allem Leid genesen/
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durch diese Freud/ die Ihm ein Trost gewesen/

(Birken, Sigmund von: Pegnesische Gesprächspiel-Gesellschaft von Nymfen und Hirten. Nürnberg, 1665.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Sigmund von Birken
(16261681)

* 25.04.1626 in Skalná, † 12.06.1681 in Nürnberg

männlich

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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