Pegnesische Frülings-Freude

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Sigmund von Birken: Pegnesische Frülings-Freude (1665)

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Du wirst mir beyfallen/
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mein Fremdling!
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ach! eine unbillige Würkung/
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der leidigen Sterblichkeit!
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Lise/ und urtheile!
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Alles/ was alle Wele bewundert/
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bewohnet diesen ängen und einigen
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Grabschrein:
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oder vielmehr/
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Alles dasselbe hatte beysammen/
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die diesen Sarg bewohnet/
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die Hochfürtrefflichste
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Emilia/ Gräfiñ võ Holland-Brederode;
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von der Fr. Mutter/
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aus dem Fürstlichen Haus Nassau:
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Dannenhero von Stande und Stam̄en/
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nicht nur Wohl- sondern Hochgebohren.
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Von Gemüte/
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welches/ aus des Mundes un̄ der Stirne
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Doppel Fenster/ hervorleuchtete/
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ein Tempel aller Tugenden/
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und mit einem Wort:
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Die Allervollkommenste.
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Von Gestalt des Leibes/
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dessen Zierde diß Geschlecht als Eigen
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das Allerschönste Frauenbild/
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und der schönsten Tugend
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gleich-schöne Wohnung:
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Welche noch schöner wurde/
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durch der Sitten/
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mit angebohrner Geist-hoheit
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Freundseeligkeit/
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die bey den Anschauern
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zugleich Liebe und Ehrfurcht würkte.
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Auch das Glück/
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welches sonst mit der Tugend
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selten Freundschaft machet/
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konde nicht unterlassen/
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mit seinē Gabē sie reichlich auszusteure
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Sie ward zweymal/
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und zwar Erstlich als Freulinn/
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an den Hoch- und Wohlgebornen Herrn
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Herrn
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Letzlich/ als Wittib/
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an den auch Hoch- und Wohlgebornen
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Herrn
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derer Jenen/ sie/ traurig vorangeschicket;
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Diesen aber höchstbetrůbt hinterlassen:
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Welcher nun/
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weil keine Klage
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so grossem Verlust genug gegenwage
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in stumm- und stillem Unmut
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sich nur nit gar verzehret/
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und üm diese
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den Sarg anklaget.
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Mein Fremdling!
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wirst nun du nicht von Ihr/
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wie ein andrer von einer andren/ sagen:
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Sie hat sonst keine Schuld jemals begangen/
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als daß Sie gestorben ist;
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die da verdiente/
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ein ganzes Jahrhuntert zu leben.
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Zweyer Kinder Mutter/
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starbe sie gleichwol ohne Kinder:
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auser/ daß der Nachruhm/
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ihrer Tugend unsterblicher Sohn/
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mit der Welt wird in die wette leben.
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Diß Gestirne/
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nachdem es 33 Jahre auf Erden
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ward den 14 Augusts im 1663 Jahr/
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aus der Teutschen Keyser-Sitzstadt/
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gen Himmel abgefordert:
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da es/ unter die Fixsternen versetzet/
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vor unsren Augen untergangen
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und verschwunden.

(Birken, Sigmund von: Pegnesische Gesprächspiel-Gesellschaft von Nymfen und Hirten. Nürnberg, 1665.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Sigmund von Birken
(16261681)

* 25.04.1626 in Skalná, † 12.06.1681 in Nürnberg

männlich

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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