1.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Sigmund von Birken: 1. (1665)

1
Schweiget ihr noch/ meine Halmen!
2
sollen nur die Lerchen-psalmen
3
diese Frülingsfreud ausschreyen?
4
Dünkt mich doch/ die Pegnitzfluten
5
mahnen mich mit Wudelstruten:
6
Sing uns etwas von dem Mäyen!
7
Auf/ mein Geist! wir müssen fliegen:
8
nun das Jahr die Blumen wiegen/
9
nun der süsse Himmel lacht/
10
nun der Wiesen Seidensticker
11
unser Rund so bunte macht/
12
und die Sonn würkt güldne Stücker.

13
Ostland! deinen Heldgeschichten
14
werd ich meine Pflicht entrichten.
15
Doch man muß auch einmal singen.
16
Wohin räist sichs/ ihr Gedanken?
17
hier im Feld der Wände Schranken
18
nicht den Geist zu Kerker bringen.
19
Nehmt mich mit/ ihr Schnabelflöten/
20
ihr befederte Poeten!
21
Wart! ich bin der Tereus nicht/
22
Luft Sirene Filomele!
23
Mein Gehör das Urtheil spricht:
24
du bist unsers Lentzen Seele.

25
Ich hör euch/ ihr Fittichbrüder!
26
Aber/ wer hört meine Lieder?
27
Föbus ist itzund nit Richter.
28
Du streust Gold von deinen Höhen/
29
unsre Wasen anzukleen/
30
du erdichter GOtt der Dichter.
31
Nein! mein Föbus ist auf Erden/
32
der mich liebt und meine Heerden.
33
Hab ich schon izt nicht die Gnad/
34
singend selbst vor ihm zustehen:
35
dannoch pflegt mein Mecänat
36
meine Lieder gern zusehen.

37
Dorthin reiset/ ihr Gedanken!
38
denkt/ wie üm den Vorzug zanken
39
sein Verstand/ sein Stand und Glücke.
40
Reiche/ zehlen nicht die Heerden:
41
ich muß arm an Worten werden/
42
wann ich dankbar denk zurücke.
43
Ich verehre mehr mit Schweigen/
44
ungemessnes Gnad-bezeigen.
45
Ob ich etwan manchesmal
46
diesem Wald davon gesaget:
47
dannoch hat das hole Thal
48
stäts nach mehr/ nach mehr/ gefraget.

49
Oftmals ich gen Himmel rieffe/
50
aus entbrannter Herzens-tieffe:
51
Himmel! meinen Dank ihm zahle.
52
Nein! der Wunsch gieng nicht verlohren:
53
es hat auch der Himmel Ohren/
54
nicht nur Regen und die Strahle.
55
Legt die niedre Sinnen nieder;
56
adelt euch/ ihr meine Lieder!
57
mit dem schönsten Innhalt itzt.
58
Eine seine andre Sonne
59
und ihm gibet tausend-Wonne.

60
Pranget nicht/ ihr hohen Tannen/
61
ihr des Faunus grüne Fahnen/
62
mit den Wolkennachbar-gipfeln!
63
euch vor dieser Ceder neiget/
64
die von hohem Stamme zweiget;
65
fähig/ euch zu überwipfeln.
66
Hier auf dieser zarten Rinden/
67
ist ihr göttlichs Bild zu finden.
68
Macht der Abriss so entzückt:
69
was wird thun des Selbstands Leben!
70
den der Geist noch schöner schmückt/
71
wie der Safft empfihlt den Reben.

72
Dieser Schönheit Wunderspiegel/
73
prangt mit einem Doppel-sigel;
74
mischt mit Hoheit/ holde Blicke.
75
Pinsel! gib ihr Blut den Wangen;
76
leg den Leib in Schnee gefangen;
77
des Verstandes Sinnbild drücke/
78
in das rohte Wachs der Lippen;
79
athmen mach die Herzens Klippen;
80
gib dem Leib der Sitten Art;
81
setz ihr auf/ die Tugend Krone.
82
Schöner nie gemahlet ward/
83
selbst Diana und Dione.

84
In diß Schönheit-Meer der Gaben/
85
sich zuhauf versamlet haben
86
aller Treflichkeiten Flüsse:
87
daß durch alle Glückes-Günste
88
mein Mecänas/ nach Verdienste/
89
wunschbar sich gelabet wisse.
90
Gott-geliebte/ schon auf Erden
91
müssen Himmel-seelig werden/
92
Cörper-Engeln zugesellt.
93
Hoch beglückt sind/ hohe Seelen.
94
So ein Bild war ausgestellt/
95
solchen Helden zuvermählen.

96
Ist der Gräslein in den Gründen/
97
ist der Blätlein an den Linden/
98
ist der
99
Also vielfach/ theure Beyde/
100
Euch das Glück in Freuden weide/
101
reich an Jahren/ frisch von Leben.
102
Dieser Wunsch/ vom Munde schallet/
103
und im Herzen wiederhallet/
104
solang athmet diese Brust.
105
Bald ich mehrers hoff zu singen:
106
wann die Lieb/ die Saat der Lust
107
wird mit Wucher wiederbringen.

(Birken, Sigmund von: Pegnesische Gesprächspiel-Gesellschaft von Nymfen und Hirten. Nürnberg, 1665.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Sigmund von Birken
(16261681)

* 25.04.1626 in Skalná, † 12.06.1681 in Nürnberg

männlich

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.