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Wie nun sie an dem Thor den König so empfangen,
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Und man kam in die Stadt mit grossem Siegesprangen,
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Gieng ihre Reih füran bis nach des Königs Hauß,
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Und striche jedermann des Davids Lob heraus.
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Doch hätt er im Gesicht das Leiden sollen sehen,
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Und wie es ihm bey Saul und seinem Hof würd gehen,
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Hätt wohl sein Hertz versagt zu haben solche Freud,
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Die ihm nur ward zu bald verkehrt in bittres Leid.
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Auch ward ihm schwer sein Hertz, er fande ein Betrüben
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Des Ursach ihm nicht kund; Das Lob so sie verüben
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Zu seines Nahmens Preiß, ergetzet ihn nicht sehr,
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Er höret es mit an, als wann er es nicht wär.
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Der Menschen gröster Theil ist sonst also gesonnen,
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Daß vom gegebnen Lob gar leichtlich wird gewonnen
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Das menschliche Gemüth, die Lieb so aus sich kömmt,
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Nichts liebers als den Ruhm sein selbst zu Ohren nimmt.
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Fürnemlich ist also gesinnt die stoltze Jugend,
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Doch Davids seltner Geist und seine hohe Tugend
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Empfand das eitle nicht. Nach Ehren strebt er zwar,
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Doch nicht daß man sein Lob drum allen offenbar.
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Um gutes stets zu thun ist sein Gemüth beflissen,
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Doch daß er was damit verdient, will er nicht wissen.
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Drum bläset ihn nicht auf des Pöbels Lobgeschrey,
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Die alle frey gestehn wie er ihr Heiland sey.
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Sein Nahme wird gehört wo sie sich nur hinkehren,
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Wie kräfftig dieses ist die Eifersucht zu nähren
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Des Königs, ließ sich leicht verspüren, wenn man nun
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Gibt acht wie er sich stellt, und auf sein gantzes Thun.
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Was da nicht fähig war den David zu bewegen,
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Das kan des Königs Hertz zum Zorn und Eifer regen.
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Hätt man ihm doch allein gelegt die Ehre zu,
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So wär nicht so gestört sein und des Davids Ruh.
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Kaum wird in Gibea der Nahme Saul gehöret,
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Weil da wohl tausendmahl wird Davids Nahm geehret.
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Man wirfft ihm Kräntze zu, und aus den Fenstern fällt
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Ein Blumenregen ab auf diesen jungen Held.
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Sie klatschen in die Händ wo David kommt geritten,
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Das Frauenzimmer lobt sein Thun und edle Sitten,
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Die Männer seine That; Er ist ein Wunderbild,
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Da er Jsraels Furcht so wunderbar gestillt.
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Hätt Saul dieß vor gewußt, daß die vermuthet’ Ehre
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Sollt David treffen mehr, als ihn, er würd vom Heere
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Jhn haben weggeschafft nach seinem Bethlehem,
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Und nicht den Schluß gefast, daß er nach Hof ihn nähm.
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Nun ware es zu späth, nun muste es so gehen,
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Die Ursach seiner Ruh und Marter must er sehen,
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Durch ihn kam ihm die Ehr, durch ihn nahm sie ein End,
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Der alles erstlich gab, nun alles von ihm wendt.
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Der eingebildte Ruhm, der durch ihn war gekommen,
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Wird wieder gantz und gar durch ihn dahin genommen.
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Wo erst kommt Eifersucht wird Gutthat leicht gemist;
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Wo dieses Freundschaft trennt, sie unerbaulich ist.
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Inzwischen daß nun muß der König dieß erleiden,
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Da Hof, Land, Feld und Stadt, schwebt in den höchsten Freudẽ,
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Gelangt man auf die Burg, allwo die Hofstatt war,
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Da sich die Königin und Merob stellten dar;
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Zu grüssen den Gemahl, den Vater zu empfangen,
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Benebenst Beroa, die da auch groß Verlangen
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Trug nach Melchisua. Es drang sich jedermann
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Zu sehen wie sich doch würd Merob stellen an,
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Bey diesem ersten Gruß den sie sollt David geben,
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Und wie sich dieser Held erzeigen würd darneben.
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Drum als der König nun umarmet sein Gemahl,
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Und mit sie alles Volck gekommen in den Saal;
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Gieng aller Freude an, ein jede den begrüsset,
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Den sie mit Schmertz und Angst so lange Zeit gemisset,
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Thalmais, Jonathan ihr andres Hertz und Seel,
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Den sie in keuscher Lieb beehrte sonder Fehl.
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Merob und Michal auch, die Printzen ihre Brüder,
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Empfiengen hoch erfreut. Beroa kam hinwieder
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Zum Vater und zum Mann. Der Abner Rizpa schaut
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Mit Liebesaugen an. Phalti sich nicht getraut
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Die Schönheit anzusehn, die er liebt ungeliebet,
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Der Adriel erblickt sein liebstes hoch betrübet
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Und ist voll Hertzensqual; der David sonder Ruh,
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Als Merob er erblickt und Michal auch dazu.
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Der einen freyen Geist, der andern Trauerwesen,
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Stellt er ihm beydes für. Er ware auserlesen
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Für Merob, doch sein Hertz ihn lencken will dahin,
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Wo Michals Lieblichkeit bezaubert seinen Sinn.
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Die schaut ihn gütig an, die andre steht betrübet,
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Er stehet bey sich an, wer ihn von beyden liebet,
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An Michal merckt er nicht, daß sie nach Adriel
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Hinkehre ihre Blick. Ob Merob Phalti wehl
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Zu quälen weiß er nicht, er laurt wie Phalti stehe,
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Und wo der Adriel mit seinen Augen gehe;
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Doch nirgends findet er gewiß was er begehrt,
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Weil aller ihr Gebährd den Zweifel ihm vermehrt.
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Er hatte raume Zeit dieß so zu überlegen,
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Weil Saul und sein Gemahl annoch zusammen pflegen
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Ein heimliches Gespräch, das wie es war vollendt,
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Und Saul hinwieder sich von ihr zurück gewendt,
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Grüst er die Töchter auch und seine beiden Schnüre
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Und daß er David nun zum Frauenzimmer führe,
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Zwang er den Eifersinn und fast ihn bey der Hand:
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Hie ist er der uns setzt in diesen F
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Sprach er sie samtlich an, und sich gleich abwärts kehrte,
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Daß er die Eiferröth so viel ihm möglich wehrte.
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Worauf Ahinoam den David wohl empfieng.
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Sie sprach: der Höchste sey gelobt der allerding
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Durch deinen tapfern Muth der Feinde Stoltz verdorben,
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Daß wir durch deinen Sieg so grosses Gut erworben.
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Dir dancket alles Land für diese Wiederkehr;
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Ich bin dir mein Gemahl und meine Königs-Ehr
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Selbst schuldig, drum mein Sinn sich wird dahin bemühen,
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Aus dieser grossen Schuld sich danckbarlich zu ziehen;
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Was dir versprochen ist, gelob ich mit o Held’
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Des Königs Will und Schluß mir überwohl gefällt.
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Dieß letzte Wort erweckt bey vielen ein Erröthen,
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Die Merob sahe sich in ungemeinen Nöthen,
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Die Michal wuste nicht wie dieß war zu verstehn,
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Der Adriel will schier für Zweifelmuth vergehn.
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Der David sich befindt für diese Wort verbunden
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Zu sprechen diese Wort: Ich sehe mich umwunden
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Von so viel Gnad und Huld, o grosse Königin!
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Daß ich des so bestürtzt als gar unwürdig bin.
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Was Gott durch mich gethan ist nicht an mir zu preisen,
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Dem höchsten Wundergott muß man dieß Lob erweisen;
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Das Werckzeug bin ich nur, ich bin es nimmer werth,
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Daß solche hohe Gaab hiefür mir wird beschehrt.
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Als dieß die Königin hinwieder wollt besprechen,
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Daß er ihm selbsten nicht sollt seine Ehr entbrechen,
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Führt ihn der König hin, allda sich Merob fand,
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Dieß ware für sie beid ein unvermuthner Stand.
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Der David sahe sich geehret ohne Massen,
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Die Merob wuste sich hierinn nicht wohl zu fassen,
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Und wie sie so bestürtzt den David blicket an,
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Spricht Saul: Diß ist der Held der dir bestim̃t zum Mann.
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Ich hab dich dem gelobt der würd den Riesen schlagen,
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Es hätt dir eh gebührt von seinem Sieg zu sagen,
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Als Michal die sein Lob mit ihrer Nymphen Schaar
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Hat heute beym Triumph gemachet offenbar.
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Die Michal sah er an, indem er dieses sprache,
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Mit wiedrigem Gesicht, die wie ein Feur anstache,
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Das Hertze war entrüst, schier blieb der Odem hin,
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Sie wuste selber nicht wie ihr recht war zu Sinn.
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Ward sie nun so erröth konnt ihrer Schwester Schrecken
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Die bleiche todte Farb mehr als zu klar entdecken,
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Doch überwindt sie sich und spricht dem König zu:
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Ich bin erfreut zu sehn des Königreiches Ruh,
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Doch auch dabey entsetzt so plötzlich zu vernehmen,
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Wozu du mich bestimmt, wozu ich mich bequemen
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Und dir gehorchen soll. Hiemit so schwieg sie still
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Und David höfflich grüst, doch ob sie sprechen will,
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Vermag sie es doch nicht, sie kan sich so nicht zwingen
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Daß nicht ein Trauerblick nach Adriel sollt dringen,
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Der wie ein Marmorbild da stehet gantz erstarrt,
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Wie einer der den Tod von Richters Hand erwart.
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Schaut sie dann Michal an, kan sie auch leicht verstehen,
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Aus ihrem Traurgesicht, wie nah ihr dieß muß gehen,
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Und wie so unverhofft ihr diese Post hier kömmt;
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Die ihr was sie nicht will, gibt, und der andern nimmt,
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Die solches hoch verlangt. Der David auch verwirret
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Bald nach der Merob bald nach Michal wird geführet
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Durch seiner Augen Stral, die Merob spricht er an,
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So gut die Unruh und der Ort es leiden kan.
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Daß er sich selig schäzt im Wohlstand sie zu sehen,
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Und wie ihr treuster Knecht nach ihrem Wohlergehen
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Er stets bemüht wollt seyn. Damit als er ansieht
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Der Nymphen schöne Reih, ermahnt ihn seine Pflicht,
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Zu dancken dieser Schaar, die so sein Lob besungen,
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Das ihm so wär ins Hertz und zu Gemüth gedrungen,
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Daß es ihn angefrischt zu streben mit Begier
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Nach solcher Heldenthat, der so ein Lob gebühr.
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Maacha sprach hierauf in ihrer aller Nahmen:
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Du hast in Jsrael in allen ihren Stammen
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So grosse Werck verübt, daß billig deine Ehr
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Von uns erhebt sollt seyn bis an der Sternen Heer.
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Die schöne Michal schwieg hiezu, der sonst gebühret,
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Zu sprechen diese Wort, weil sie den Chor geführet,
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Dann sie war so entsetzt darob was sie gehört,
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Daß sie gantz aus sich selbst schier ward von Pein verzehrt.
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Ein jeder spürte nun dieß hochverwirrte Wesen,
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Weil sich des Hertzens Quaal ließ aus den Augen lesen,
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Und keiner wust dabey recht was den andern war.
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Des Königs Eifersucht war keinem offenbar;
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Der Merob Ehgelübd mit dem Meholathiter
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War nicht bey Hofe kund; und dieser edle Ritter
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Sah wie ein Schatten aus, ohn daß man wust die Pein,
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Und Michal Freudigkeit verlohre ihren Schein,
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Eh man es nahm in Acht. Wie David sich erzeigte,
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So schien es mehr, daß den die Traur als Freude neigte.
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Der edle Jonathan sah dieß verwundernsvoll,
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Und weiß bey diesem Thun nicht was er sagen soll,
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Drum trug er groß Begierd dieß Wesen zu ergründen,
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Darinn der ganze Hof sich selbst nicht konnte finden,
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Und Saul so bald er konnt hub die Gesellschaft auf,
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Und ließ, wie er allein, dem Trauren seinen Lauf.