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Ey dachte Saul, möcht dich der Samuel so schauen,
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Er würd, daß ich von Gott verlassen, nimmer trauen,
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Wie er mir weiß gemacht, aus Haß, aus Eifersucht.
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Wo sind wohl meine Feind, sind sie nicht in der Flucht?
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Kan man aus meinem Sieg wohl Gottes Haß verspüren?
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Gefiel ihm nicht, daß ich sollt Jsrael regieren,
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Wo wäre mein Triumph, wo wäre meine Ehr,
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Die mich jetzunder krönt, für meinem gantzen Heer?
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Wer sollt nach diesem Sieg die Krone mir bewegen?
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Wer Lust dazu gehabt muß nun sich niederlegen.
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Was stützet mehr den Thron als eine Siegeshand?
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Das Glücke wenn es gut, macht fest den Königsstand.
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So ware Saul getrost, er hofft es würde glücken,
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Indem sie insgesammt die Nymphenschaar erblicken,
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Dem König war dieß lieb, die Helden wurden froh,
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Daß ihre Wiederkehr beehret ward also.
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Der Printz sah sein Gemahl verliebt an und vergnüget,
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Der andern Nymphen Schein hat manchen Held besieget;
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Der David nur allein findt das nicht was er sucht,
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Des Siegs versprochne Beut, der keuschen Liebe Frucht.
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Er findet aber mehr als nicht war sein Ersinnen,
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Der Michal Lieblichkeit, der Michal ihr Beginnen,
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Der Michal Wunderstral, die schossen auf ihn zu,
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Daß Merob er vergist und seiner stillen Ruh.
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Er weiß nicht wie ihm ist, es kan kein Aug verlassen
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Die so ihn ebenfalls anschauet ohne Massen.
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Je mehr er sie nun schaut, je mehr wird er verblendt,
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Je mehr er wird verblendt, je mehr sein Hertz entbrennt
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In Liebe gegen ihr, ohn daß er doch kan hoffen,
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Sie sey auch ebenfalls von keuscher Lieb getroffen.
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Drum wann ihm Adriel kommt wieder in den Sinn,
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Den er geliebt zu seyn vermeinet, giebt ers hin.
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Er fasset wieder sich und kehrt die Augen abe,
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Damit er nicht umsonst sich durch ihr Licht erlabe,
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Er will der Merob seyn die ihm versprochen war,
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Und derer Liebe ihm schon schiene offenbar.
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Mitdeß hebt die Musik der Nymphen an zu klingen,
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Davon die Lieblichkeit konnt aller Sinne zwingen,
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Das gantze Heer wird still, die Ohren, das Gesicht
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Ist nach dem schönen Volck verwundert hingericht.
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Die Paucken groß und klein, die Cymbalen und Geigen,
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Driangel, Harffen, Flöt, beginnen sich zu zeigen,
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Und klingen durch die Luft von zarter Hand gerührt,
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Dergleichen Anmuth man vorhin niemahls verspürt.
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Wie Saul nunmehr so nah, daß er es konnt vernehmen
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Was fürgebracht sollt seyn, sie eilig sich bequemen
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Zu stimmen an dieß Lied, wie abgeredet war,
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Thalmais hebet an, der folgt der Weiber Schaar: