Das dritte Buch

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Johann Jacob Bodmer: Das dritte Buch (1743)

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Indessen nähert sich das Volck in schöner Reihe,
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Man siehet mehr und mehr wie sich der Zug hindreihe
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Nach ihren Mauren zu. Die Priester, Aarons Söhn,
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Erschienen da zuerst mit ihrem Sieggetön;
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Nach ihnen kam der Stamm von Juda aufgezogen
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Mit Pracht und grossem Sieg, die alle wohl erwogen
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Was Gott bey sie gethan. Drauf folgte Jsaschar
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Und was von Sebulon auch mit zu Felde war.
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Hie folgete die Beut auf tausend Kriegeswagen
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Die man im Lager theils, theils auch in dem Nachjagen
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Aus der Philister Land hat reichlich mitgebracht.
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Worauf sich sehen ließ der Rubeniter Macht,
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Mit Simeon und Gath; all auserleßne Leute.
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Nach diesen kam ein Theil hinwieder von der Beute.
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Die da von Ephraim, die folgten nach der Hand.
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Nach ihnen Benjamin, allwo sich macht bekannt
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Der Kern von Jsrael, der König und die Helden,
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Es konnt ihr Glantz und Schein gleich wer sie waren melden.
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Thalmais treues Aug, der Michal Liebesflamm,
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Ergriff im Augenblick was da herüber kam.
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Es ritte Jonathan, der Benjamiter Ehre,
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Die Kron des Haufes Saul, zuforderst für dem Heere
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Auf einem schönen Hengst, ihm folgte eine Schaar
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Von tausend Mann die stets zu seinen Diensten war.
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Die Rüstung Silber war, die dieser Fürst heut führte,
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Wes Schein Thalmais Aug und Hertze hefftig rührte.
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Sein Hauptschmuck war beziert mit Perlen und Saphir,
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Ein blaugewebte Bind schien an dem Arm herfür,
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Die ihme sein Gemahl beym Abzug umgewunden.
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Wie ward ihr Hertz, als sie dieß noch bey ihm gefunden?
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Es übergosse sich gleich wie das hohe Meer,
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Und quolle Haufenweiß aus ihren Augen her
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Die eingenommne Freud. Der Michal Rosenwangen
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Erzeigten ebenfalls ein hertzliches Verlangen
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Sowohl nach Jonathan, als nach dem andern Held,
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Der sich mehr als zu schön für ihre Augen stellt.
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Sie kannte ihn zur Stund, weil da des grossen Riesen
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Sein abgeschlagnes Haupt ward für ihm her gewiesen
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Auf einem langen Speer; das ja gnung zeigte dar,
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Daß der der diesen folgt der edle David war.
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Wie herrlich und wie schön derselbe anzusehen,
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Must Michal nicht allein mit ihrer Schaar gestehen,
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Besondern alle Welt die liefe David an,
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Ein jeder drängte sich zu sehn den Wundermann.
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In Gold war er gekleidt, worauf von ferne schienen
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Auf seinem Brustgewand viel herrliche Rubinen.
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Der Rock war dunckelgrün mit Golde durchgewirckt,
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Der ihm sowohl gemacht als wär er angezirckt.
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Sein braunes krauses Haar ein güldner Helm bedeckte
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Besetzet mit Rubin. Zu oben aus sich streckte
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Ein schwartzer Reiherstrauß. Die Arme waren bloß,
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Ein Mantel gold und grün den Hinterleib umschloß.
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Sein Pferd das er beschritt, war freudig den zu tragen,
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Von dessen Dapferkeit wust alle Welt zu sagen:
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Es wrinschte nur von Lust, und tantzte muthig her,
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Es truge seine Bürd gantz willig, ohn Beschwer.
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Ach schauet, schauet doch, rief Michal schier entzücket
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Den schönen David an; den David, den Gott schicket
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Zum Preiß in Jsrael, ward jemahls in der Welt
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In solcher Jugend wohl gesehn ein solcher Held?
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Die Nymphen um sie her all ihre Wort bejahen.
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Indeme sehen sie den König auch hernahen
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Jm Königlichen Schmuck, voll Majestät und Pracht;
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Der tapfern Helden Schaar, der Hofstadt Zierde macht,
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Des Königs seine Söhn, den Abner, die Hauptleuthe
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Aufs köstlichste geziert sieht man an seiner Seite;
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Zwey tausend seiner Knecht in ordentlicher Reih,
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All überein gekleidt, befinden sich dabey.
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Er selber ward geführt auf einem Siegeswagen,
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Der da der Sonnen gleich, wann es beginnt zu tagen,
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Vier Pferde weiß als Schnee in einer Reih gestellt
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Mit goldenem Geschirr, die zogen diesen Held.
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Voll Diamanten war sein Königsrock gesticket,
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Durch deren Gegenstrahl die Sonne doppelt, blicket,
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Sein Königliches Haupt bedeckt ein weisser Band,
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Auf deme eine Kron von Diamanten stand.
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Nach ihnen liessen sich die andern Stämme sehen,
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Die mit ihm ausgereist, wornach die Wagen gehen
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Und alles Zugehör, so war der Zug bereit;
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Den Gibea empfängt mit Jauchzen und mit Freud.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Jakob Bodmer
(16981783)

* 19.07.1698 in Greifensee, † 01.01.1783 in Schönenberg

männlich, geb. Bodmer

Schweizer Autor

(Aus: Wikidata.org)

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