Die Geschichte des Davids, Königs in Juda

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Jacob Bodmer: Die Geschichte des Davids, Königs in Juda (1743)

1
Weil nun die Michal eilt um ihrer Schwester willen,
2
Bitt sie Zeruja soll ihr Wünschen doch erfüllen,
3
Und fahren mit ihr hin, die ist alsbald bereit,
4
Man spannt den Wagen an, da Michal ihre Zeit
5
Jmmittelst bringet zu, des Landes süsse Leben
6
Hie anzuschauen recht, davon dann wird gegeben
7
Von ihr ein solcher Schluß, daß sie den Hof veracht,
8
Wann sie die Dienstbarkeit mit dieser Ruh betracht.
9
Der Hof der ist ein Band der unsern Willen zwinget,
10
Und übergüldte Qual für reine Lust uns bringet.
11
Es dienet alles da, es dienet Herr und Knecht,
12
Der Knechte Dienst uns selbst die freye Herrschafft schwächt.
13
Es muß oft unser Will nach ihrem Willen gehen,
14
Und dem der mich bedient muß ich zu Dienste stehen.
15
Ich bin des Knechtes Knecht, und hab den Willen nicht,
16
Daß was derselbe will, ich ohne Müh verricht.
17
So waren Michals Wort, Zeruja wollt bestreiten,
18
Der Hof der gienge für, und wäre auch bey weiten
19
Geprießner als das Land. Doch Michal blieb dabey,
20
Bey Hofe lebt man streng, im Felde lebt man frey.
21
Hierauf geht nun die Reis nach der verlaßnen Hölen,
22
Allwo Thalmais sich und Merob hefftig quälen,
23
Weil sie als sie erwacht, die Michal funden nicht,
24
Und finden keinen auch der ihnen was bericht,
25
Wo ihre Schwester sey. Von David seinem Knaben,
26
Der weil sein Herr war aus, die Aufsicht muste haben
27
Auf die geliebte Heerd, erfahren sie zuletzt,
28
Was ihre Sorg vermehrt und sie in Unruh setzt;
29
Daß nemlich Michal sey mit Davld auf dem Wagen
30
Gefahren in das Feld. Was will man hievon sagen?
31
Spricht Merob gantz bestürtzt; Indem schaut sie sich um,
32
Und schallt ihr für das Ohr der Michal ihre Stimm,
33
Sie eilet nach dem Ton, und sieht den Wagen kommen,
34
In welchem sie nun kaum Zeruja mit vernommen,
35
Da wird sie hoch erfreut und eilet zu ihr an,
36
Zeruja ebenfalls sich nicht mehr halten kan,
37
Als sie die Merob sieht. Gleichwie sich streckt das Eisen
38
Nach dem Magnetenstein, so will sich hier erweisen
39
Auch Wechselsweise Lieb. Zeruja und Merob
40
Die streiten wer da könn einander siegen ob,
41
In Zeigung wahrer Freud; Zeruja war geschicket
42
Hiezu weil sie es wust, doch Merob gantz verrücket,
43
Weil dieß ihr widerfuhr ohn daß sie es gedacht,
44
Drum wurde Wechselsweiß bestürtzte Ruh gebracht.
45
Thalmais hatt ihr Theil auch mit an diesen Freuden,
46
Und David dessen Hertz schon vieles must erleiden,
47
Sah Merob an bestürtzt, die er nebst Thalmais
48
Aufs höflichste empfäht, er weiß nun nicht gewiß
49
Wer die sey so ihn liebt. Die Merob sich erweiset
50
Mit Michal gleicher Güt, er jede bey sich preiset.
51
Wann er schaut Merob an, so ist ihr Wunderschein
52
So starck daß der vermag sein Hertz zu nehmen ein.
53
Erblickt er Michal dann ist ihr liebreiches Wesen
54
Also für seinen Sinn dermassen auserlesen,
55
Daß er bey sich gedenckt, ach wann es Michal wär!
56
Sieht er denn Merob an, wünscht er die ja so sehr.
57
Er meinet aus dem Ton der Stimmen wollt er hören,
58
Was sein verliebter Sinn zu wissen that begehren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Jakob Bodmer
(16981783)

* 19.07.1698 in Greifensee, † 01.01.1783 in Schönenberg

männlich, geb. Bodmer

Schweizer Autor

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.