Die Geschichte des Davids, Königs in Juda

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Johann Jacob Bodmer: Die Geschichte des Davids, Königs in Juda (1743)

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Das Hauß drinn Suri wohnt, ein Wald umher beschlosse,
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Es lag auf einer Klipp, von deren sich ergosse,
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Ein ungestümer Bach, der von dem Regen war
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So aufgeschwellt daß er bedrohte mit Gefahr
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Den der sich wollt zu leicht in seine Wellen wagen.
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Drum wollt der Führer nicht durch diesen Bach durchjagen,
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Besondern nahm den Weg weit durch den Wald herum,
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Und kame an den Ort, allwo des Löwen Grimm
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Von David war gestillt. Die Michal sich erschrecket,
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Als sie schaut auf der Erd den Löwen ausgestrecket.
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Sie meinet daß er leb, drum spricht ihr David zu,
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Und stillet ihre Furcht daß sie nimmt wieder Ruh.
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Er kan dieß hohe Werck nicht so gering beschreiben,
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Daß Michal sollte nicht darob verwundert bleiben,
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Die zu ihm sagt: Fürwahr, der David hat verdient
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Nach dieser Helden That, daß sein Ruhm ewig grünt.
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Ward sie fürhin erröth, als er ihr Lob ausbreit’te,
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So gehet es iezt auch an dieses Helden Seite;
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Die Wangen feuren an, die Augen bergen sich.
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Er wöllt sie wüst es nicht, doch spricht sie emsiglich
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Von dieser grossen That bis sie nach Suri kommen.
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Allda Zeruja kaum die Freudenpost vernommen,
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Daß Michal kommen an, Ahinoam ihr Kind,
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Die sie allzeit geliebt, sie sich von Freuden findt
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So überhäuft, daß sie nicht weiß was sie beginnet.
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Sie läuft bald hin bald her, indeme die gewinnet
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Den hohen Windelsteig und eilet was sie kan,
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Daß sie Zeruja mög im Bett noch treffen an.
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Die aber schon gerüst und sie mit beyden Armen
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Umfäht und hertzlich küßt: Sie spricht, wo dein Erbarmen
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Und deine Gütigkeit, o Michal nicht bey dir,
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Schämt ich mich daß du mich also solltst finden hier.
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Ich war mir diese Ehr wohl heute nicht versehen,
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Und weiß in Wahrheit nicht recht wie mir ist geschehen.
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Des Königs Tochter kommt hie in ein schlechtes Hauß,
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Es siehet hie, wie man lebt auf dem Lande, aus.
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Wo ich Zeruja find, die Michal hiezu saget,
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Da ist es eben recht, und alles mir behaget,
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Weil ich von David hört daß dein Hauß also nah,
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Konnt ich mich zwingen nicht bevor ich dich hie sah.
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Nun ist mir aber wohl. Hiemit sie sich umfassen,
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Und David der sie will etwas alleine lassen,
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Bestellet unterdeß daß man die Speiß bereit,
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Der kleine Joab kommt mit seinen Brüdern beyd
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Um ihren Vetter her und ihn gar frölich grüssen.
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Wann David kam ins Hauß sich alle freuen müssen.
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Der Suri war nicht inn, doch thate das Gesind,
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Was David haben wollt, der lässet bald ein Rind
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Zurichten und dabey läst Esel er herführen,
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Die sollen Speiß und Tranck, wie es sich will gebühren,
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Hintragen nach der Höl, und Joab bittet sehr,
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Er mög ihn nehmen mit, er wollte auch die Ehr
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Geniessen daß er könnt des Königs Töchter sehen.
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Der David sagt ihm zu, er sollte mit hingehen,
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Darauf schmückt er sich aus, weil schon in seinem Blut
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Sich zeigt ein stoltzer Sinn und ein erhobner Muth.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Jakob Bodmer
(16981783)

* 19.07.1698 in Greifensee, † 01.01.1783 in Schönenberg

männlich, geb. Bodmer

Schweizer Autor

(Aus: Wikidata.org)

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