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Inzwischen kommt der Wag der dreyen Printzeßinnen,
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Dem sie, als sie die Höl zu ihrem Schutz gewinnen,
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Befohlen, in dem Wald zu harren aus die Nacht,
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Und machet sein Getön, daß Michal bald erwacht.
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Wie sie Thalmais sieht in Merobs Armen liegen,
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Steht sie behende auf, um dieser ihr Vergnügen
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Zu stöhren nicht so bald, und gehet aus der Höl
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Zum Wagen, daß sie da dem Führer was befehl.
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David, der Michal sieht, eilt gleich sie zu begrüssen,
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Küßt der Printzessin Rock, wirfft sich zu ihren Füssen.
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Woher, redt er sie an, kommt diese hohe Gnad,
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Die meine Schäferhütt anitzt empfangen hat,
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Daß ich des Hofes Zier darf sehn in meinen Auen,
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Wer bringet unserm Ort dieß edle Gut zu schauen?
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Des Königs Tochter hie? Weist du noch, wer ich bin,
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Sagt Michal, ich vermeint, dein freyer Schäfersinn
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Gedächt nicht mehr nach Hof? Ich bin froh dich zu sehen
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Zu hören deinen Stand, der Deinen Wohlergehen.
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Was ist der David doch, derselbe wiedersagt,
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Daß meines Königs Kind nach meinem Wesen fragt?
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Des Davids Wohlergehn, sprach sie, muß uns erfreuen,
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Denn wen mein Vater liebt, werd ich niemahlen scheuen.
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So lieb mir diese Gnad, sagt er, die mich beehrt,
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So leid ist mir was ich fürher hab angehört,
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Daß da die Michal meint, ich sey so grober Sinnen,
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Daß zu vergessen ich die Gnade könnt beginnen,
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Die ehmals ich bey Hof zu Gibea erlangt,
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Von der ohn Unterlaß mein stoltzer Muth noch prangt.
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Es wissen es die Büsch, die Wiesen, Berg und Wälder,
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Die Bäche hie umher, die Thäler und die Felder,
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Was ich von Michals Schön sing ihnen täglich für.
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Ja wann es möglich wär, daß diese meine Thier
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Vermöchten mit der Sprach zu zeugen, was sie hören,
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Sie würden itzt mein Wort mit ihrem Ja bewähren,
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Und weil nun, wie gesagt, ich so glückselig bin,
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Erwart ich den Befehl, was ich soll, und worinn
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Ich dienen kan allhie; was kan der Landmann geben,
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Bieth ich gehorsamst an. Das schlechte Hirtenleben
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Vermag nicht gar zu viel. Die Michal wird erröth,
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Und schweiget hiezu still, das schier den David tödt,
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Weil er denckt, seine Wort die haben sie betrübet,
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Und daß es diese sey, die Adrielen liebet,
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Dahero seine Wort nicht wohl genommen an;
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Er liebt sie allbereits, ohn daß er hoffen kan.
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Indem sagt sie zu ihm: Ich bin hieher gekommen
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Wohl recht von ungefehr, dann wir uns fürgenommen,
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Noch gestern wiederum in Gibea zu seyn;
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Doch ward es uns zu spät, und fiel ein Wetter ein,
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Das also heftig war, daß uns hier zu verbleiben
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Die höchste Noth befahl. Ich werd den Tag anschreiben,
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Sprach David, der mir bringt so unverdiente Gnad,
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Daß ich nun sagen kan, wie da geruhet hat
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In meiner Höl die Zierd von Benjamins Geschlechte,
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Ja von gantz Jsrael; Ich preiß mit allem Rechte
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Hochseelig diesen Tag, für andern ist er hoch.
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Der Michal Wangen Zier ein neue Röth umzog,
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Als sie hört dieses Lob, das sie nicht wollte hören,
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Drum bricht sie ab die Red, und thut von ihm begehren,
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Daß er ihr sagen soll, was das sey für ein Hauß,
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Das da an jenem Berg für andern schien heraus?
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Der Suri wohnet da, spricht David, dem gegeben
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Zeruja ist zum Weib. Wie? fraget sie daneben,
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Ist Davids Schwester nicht Zeruja, als ich meyn?
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Ja, sprach der Hirt. Sie fragt, ob sie beerbet seyn?
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Er saget wieder: Ja. Jhr Wunsch ist sie zu sehen,
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Weil sie sie für der Zeit gekannt. Das kan geschehen,
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Sprach David, ohne Müh, ich will gleich zu ihr hin.
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Wann ich da, wandt sie ein, nur nicht beschwerlich bin,
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Will ich den Weg mit thun. Das war zu grosse Ehre,
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Spricht David. Nein, sagt sie, wann ich es so degehre,
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Die Schwestern schlaffen noch, und eh sie sind erwacht,
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Soll diese kurtze Reis schon seyn zu End gebracht.
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Erwachen sie dann gleich, will ich ob ihrem Schrecken,
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Daß sie mich finden nicht, nur eine Freud erwecken.
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Und weil Zeruja ist der Merob sonders werth,
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Will ich sie holen selbst. Hiemit der Kutscher fährt.
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Der David der bey ihr in ihrem Wagen sitzet,
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Wird von so hoher Güt je mehr und mehr erhitzet,
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Doch dämpft er diese Flamm, die eh nicht soll entstehn,
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Bis daß er weiß von wem er sich geliebt wird sehn.