Xv. Auff die Letzte Nacht seines XXV. Jahrs. den 11. Octobr. St. Gregor

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Andreas Gryphius: Xv. Auff die Letzte Nacht seines XXV. Jahrs. den 11. Octobr. St. Gregor (1650)

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Kom Mitternacht vnd schleuß diß Threnen reiche Jahr?
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Die schmertzen volle zeit/ die mich so tief verletzet/
3
Die dich mein Bruder hat in jenes Reich versetzet/
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Vnd Schwester deine Leich gestellet auff die Baar.

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Die zeit/ die auff mich angst/ vnd grimmer seuchen schaar/
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Vnd trawren/ vnd verdruß vnd schrecken hat verhetzet.
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Wer hat noch newlich mich nicht schon vor tod geschätzet/
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Da/ als ich mir nicht mehr im Siechbett ähnlich wär;

9
Wenn deine Trew’ O Gott mich nicht mit trost erquicket/
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Als so viel grause Noth den blöden Geist verstricket/
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So wär ich gantz in angst ertruncken vnd verschmacht.

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HeRR/ dessen linde Faust wischt die bethränten wangen.
13
Laß doch nach so viel sturm mich linder zeit anfangen
14
Vn heiß die herben Jahr vergehn mit dieser Nacht.

(Gryphius, Andreas: Teutsche Reim-Gedichte. Frankfurt (Main), 1650.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Andreas Gryphius
(16161664)

* 02.10.1616 in Głogów, † 16.07.1664 in Głogów

männlich, geb. Gryphius

natürliche Todesursache | Schlaganfall

Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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