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Nicht lang nach dieser Zeit ward Saul dazu erwählt.
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Nun ware doch mein Stand, ob schon erhöht, gequält,
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Weil Adriel mir stets in meinen Sinnen schwebte,
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Und weil ich nichts von ihm erfuhre, traurig lebte.
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Von Joel war ich frey, der mit dem Richterstand
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Zugleich sein Leben ließ. Doch bliebe mir entwandt
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Die Ruhe wie zuvor. Ich lebt in steten Sorgen,
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Und da dieß Liebesfeur war aller Welt verborgen,
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So brannt es drum vielmehr in meinem innern Sinn.
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Ich bin nicht in mir selbst, was ich bey Leuten bin.
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In solcher Trauerzeit ward unser Land geehret
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Mit deiner Gegenwart; Doch anfangs ward vermehret
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Mit dir mein quälend Hertz, weil Adriel mit kam,
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Und sich also erwieß, daß ich den Eifer nahm
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Für Liebe in den Sinn. Ich dacht ich bin verlassen,
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Thalmais liebet er, wohlan, ich will ihn hassen;
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Dieß hassen aber kam mir saurer an als ihm.
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Ich fühlte nur die Qual, empfande einen Grimm,
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Der mir mein Hertz abfraß. Und wie nun dein begehrte
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Mein Bruder Jonathan, ich ihn hiemit verfehrte,
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Daß ich ihm bildte ein, dich liebte Adriel.
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Das macht die Eifersucht, die die verliebte Seel
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Von deinem Jonathan empfand mit solchem Wüten.
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Ich war allein geschickt dieß Unglück auszubrüten,
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Mir hastu nur den Danck zu geben für die Pein,
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Die meine Eifersucht dir Schwester schenckte ein.
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Doch als ich endlich sah daß ich mich hatt betrogen,
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Und deine Heurath mir die Decke abgezogen,
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Kam durch Beroa Fleiß die Sach in solchen Stand,
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Daß Adriel mein Hertz und ich das seine kannt.
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Er sagt mir nach der Läng wie Bichri ihn betrübet,
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Und ich erzehlte ihm was Klagen ich verübet;
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Doch konnte unsre Lieb, die nun war neu erneut,
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Noch brechen nicht herfür, es war noch nicht die Zeit.
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Es mag der König ihn nicht eben gerne leiden,
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Weil sein gehabtes Gut er Abner wollt bescheiden.
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Und weil die Rede gieng, der Abner liebte mich,
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Ist er daher geheim, und muste bergen sich.
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Auch hat noch dieß den Groll des Königs viel vermehret,
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Daß er mit Gera sich, den Saul für andern ehret,
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Geschlagen, als er kam hinwieder in das Land;
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Da, ob nun zwischen sie zwar wohl ein Freundschaftsband,
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Denckt es der König doch. Und hast du so vernommen,
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Wie weit mit Adriel und mir es ist gekommen.
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Wir harren nur der Zeit, und leben so vergnügt,
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Nun steht bey Gott, daß uns die Eh zusammenfügt.