Die Geschichte des Davids, Königs in Juda

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Johann Jacob Bodmer: Die Geschichte des Davids, Königs in Juda (1743)

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Indem nun diese Sach so lief von allen Seiten,
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Kam Bichri in die Stadt. Ich kannte ihn von weiten,
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Und weil er Adriels sein Freund, war er mit ihm
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Nach Gesur hingereist, für unsers Richters Grimm.
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Er kam darauf, so bald die Zeit es wollte leiden
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Zu mir, dahin, allwo ich heimlich ihn bescheiden,
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Und klagten wir allda einander unsre Pein,
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Und in was böß Gerücht hie Adriel müst seyn.
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Der Bichri sagt darauf, dieß würd er nimmer dulden,
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Und eh sein Sterben sehn, als seine Ehr in Schulden.
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Deßhalben wollt er gleich ihm dieses melden an.
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Vergebens plag ich mich, weil ichs nicht wehren kan,
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Und wie ich ihm auch klagt, wie man mich hätt versprochen
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An Joel, sagte er: So ist das Band gebrochen,
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Von dir und Adriel. Ich sprach: In Ewigkeit
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Vergeß ich seiner nicht; schaff, daß er mich befreyt.
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Ich will nach Gesur hin, will er dahin mich führen,
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Da kan ich Sicherheit für Joels Wüten spüren.
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Dieß nahme Bichri an, und treibet ihn die Ehr,
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Die schier verlohren war, des Adriels so sehr,
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Daß er gleich reiset fort, nach Gesur hinzubringen
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Die ungewohnte Mähr von diesen Wunderdingen.
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Jmmittelst wird kein Schluß ohn Adriel gemacht,
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Und durch Abenars Fleiß die Sach dahin gebracht,
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Daß sein beklagtes Weib nach Nobe für dem Herren
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Soll mit ihm reisen fort; sie thut sich heftig wehren,
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Und will durchaus die Prob des Eiferopfers nicht,
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Doch alle ihre Freund seyn selbst hierauf erpicht.
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Der Richter wolte gern, daß es nicht möcht geschehen,
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Doch Gott und sein Gesetz durfft er nicht wiederstehen.
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Drum gieng die Reise fort; der Richter selbsten zieht,
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Und wir, die wir befreundt, wir giengen gleichfalls mit,
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Begierig, wie es möcht mit diesem Handel kommen.
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Wir wurden in der Hütt des Stifftes angenommen,
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Von Ahilob, der da den Leibrock hatte an,
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Der alles mit ihr thut, was man verrichten kan.
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Jhr Haupt wurd ihr entblöst, der Priester sie beschweerte.
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Sie wurde ganz erblast, wie man an sie begehrte,
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Daß sie das Wasser trünck, das da verfluchet war,
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Dadurch, ob sie ohn Schuld, könnt werden offenbar.
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Wie mir hiebey zu Muth laß ich dir selber rathen.
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Und wie wir in der Hütt uns so versammelt hatten,
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Da auf die Ada war jedwedens Aug gericht,
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Man unvermuthlich von des Ritters Ankunft spricht.
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Ein jeder schaut sich um als Adriel erscheinet,
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Nun sey die Ada loß ein jeder schon vermeinet.
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Er tritt zu Gera hin, und spricht: bist du der Held,
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Des lügenhafter Geist anfüllet nun die Welt.
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Auf Ada, fuhr er fort, zeig deiner Unschuld Probe,
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Zeug den Abenar an, daß er dich wieder lobe.
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Trinck! was dir wird gereicht, zu deinem höchsten Ruhm,
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Beweise für dem Volck, für diesem Heiligthum,
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Was deine keusche Seel von Gera müssen leiden,
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Dann wird man dich statt schmach, mit ehr und ruhm bekleidẽ.
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Wie dieses mich erfreut, konnt jedermann gleich sehn,
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Und waren Ada Freund sehr froh, daß dieß geschehn.
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Sie aber blieb erbleicht; sie wehrte sich zu trincken,
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Sie wollte in die Erd für grosser Angst schier sincken.
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Die Freunde sprachen zu, der Priester trieb sie an,
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Bekenne oder trinck, sagt ihr ergrimmter Mann.
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Hiemit trinckt sie es ein. Die es mit Gera hielten,
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Das unsre Freundschaft war, nach diesem Ausgang zielten
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Mit hefftiger Begierd. Der Adriel steht da,
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Und siehet unverfährt; Ich ware ihm so nah
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Daß ich die leisen Wort, die er mir sagt, konnt hören:
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Wann deine treue Lieb bey dir noch steht in Ehren,
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Und daß mich Bichri hat aus Freundschaft nicht getröst,
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Solst du noch heute seyn aus Joels Macht erlöst.
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Die Anstalt ist gemacht, nach Gesur dich zu bringen,
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Sey nur getrost; Ich hoff es soll uns wohl gelingen.
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Ich sagt hierauf kein Wort und winckte ihm nur zu,
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Daß er verspüren könnt, daß ich dieß willig thu.
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Indem der Priester nun das Eiferopfer zündet,
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Hebt Ada plötzlich an, die sich nicht wohl befindet,
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Zu schreyen Ach und Weh! ein jeder drängt sich hin,
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Ich voller Angst und Sorg, ich nicht die letzte bin.
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Abenar sie befragt, der Richter auch imgleichen,
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Daß sie die That bekenn. Sie sagt: Nun ich nicht weichen
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Noch hie entgehen kan, bekenn ich alles frey,
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Ich habe meinen Mann betrogen, ohne Scheu.
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Ist es denn Adriel? der Richter plötzlich fragte,
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Ja Adriel der ists, die Ada wiedersagte.
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Wohlan, trat Gera auf, die Wahrheit ist am Tag.
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Man schaut an Adriel was der wohl sagen mag,
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Der thut noch unverfährt, und will die Ada sprechen.
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Doch übertäubt man ihn, Abenar will sich rächen,
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Die Schuld ist hell und klar. Die Ada gantz befiel
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Daß es nicht anderst scheint als ob sie sterben will.
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Man trägt sie in ein Hauß, und Adriel soll geben
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Von ihme sein Gewehr; Das koste den das Leben,
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Spricht er, der dieses sucht und geht auf Gera loß.
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Hierauf wird ein Tumult, und alle Degen bloß.
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Der Richter ruffet bald den Adriel zu fahen,
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Doch darff sich keiner nicht so eilig zu ihm nahen,
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Er kommt aus ihrer Hand; und seiner Freunde Rott
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Hilfft ihm aus dieser Noth, reist ihn aus diesem Spott.
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Der Sieg war unser nun, die Jeminiter prangen,
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Doch kost mir dieser Sieg gar viel benetzte Wangen,
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Der Berothiter und Meholathiter Haus,
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Die waren höchst betrübt, daß es so lief hinaus.
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Abenar rief um Recht, die Ada sollte sterben,
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Die alle Welt verließ und suchte ihr Verderben.
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Auch sucht man Adriel, doch war der nicht zu sehn.
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Ich wust in meinem Sinn nicht wie mir war geschehn.
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Und war noch so bestürtzt, als Bichri heimlich nahme
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Die rechte Zeit in Acht, und in mein Zimmerkame,
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Er fragte gleich, ob ich zu reisen wär bereit:
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O nein, sprach ich hiezu, es ist nicht mehr die Zeit,
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Sag Adriel nur an, daß ich sein gantz vergessen,
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Weil er sein eigen Ehr so wenig übermessen.
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Ich bin einmahl verlobt an Joel, der ist mein,
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Eh will ich wehlen den, als Adriels zu seyn.
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Bichri, der that bestürtzt, ich aber ließ ihn stehen,
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Und sagte dieses noch: Wo er nicht bald würd gehen,
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Sollt er für Adriel mit Ada leiden Spott,
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Dieß bracht ihn in die Flucht, zu meiden diese Noth.
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Ich war nun gantz gewillt, den Adriel zu hassen,
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Und Joel, dem ich schon verlobet, mich zu lassen,
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Wiewohl aus keiner Lieb, nein, nur aus blosser Rach,
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Ich wust, daß ich hiedurch mich stürtzt in Weh und Ach.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Jakob Bodmer
(16981783)

* 19.07.1698 in Greifensee, † 01.01.1783 in Schönenberg

männlich, geb. Bodmer

Schweizer Autor

(Aus: Wikidata.org)

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