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Nach diesem freyen Wort hätt man ja sollen dencken,
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Es würd des Richters Zorn den Adriel versencken,
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Nein aber höre nur, wie gleissend er sich stellt,
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Er saget lächlend drauf: Der ist nicht in der Welt,
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Wer allen kan zu Danck, und wie man will, regieren.
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Hiemit geht er zu mir, und sagt: Nun kan ich spüren,
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Wie man hie ist gesinnt, und wie man das erkennt,
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Daß eines Richters Hertz in heisser Liebe brennt.
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Läßt uns darauf allein, und berget seine Rache,
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Doch ware mir alsbald nicht wohl bey dieser Sache,
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Und weil ich Adriel, der also frey geschwätzt,
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Sah in der höchsten Noth, darein er sich gesetzt,
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Must er auf meine Bitt aus Bersaba entweichen.
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Ich konnte dieses lang bey ihme nicht erreichen,
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Weil seine Großmuth ihn abhielt für dem zu gehn,
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Den er nicht würdig acht, im Wege anzusehn.
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Doch weil zur selben Zeit Gewalt für Recht sich wiese,
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Konnt es nicht anderst seyn, ein jeder sich befliesse,
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Zu haben Joels Gunst, wiewohl man ihm nicht gut,
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Stellt man sich doch aus Furcht, als wann mans gerne thut.
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Drum schiede Adriel, und wolt nach Gesur reisen,
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Von wannen er hiernächst mir nicht genung konnt preisen
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Die Gnad, die man ihm that in deines Vatern Land,
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Und wie der König ihm in allem macht bekannt
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Die grosse Gütigkeit, die Königen gebühret.
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Indem er nun hinweg, wird sein Verlust verspüret.
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Ein jeder spricht davon, ein jeder fragt darnach,
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Ein jeder deutet so und so aus diese Sach.
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Der Joel freute sich, daß ihm sein Feind gewichen,
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Ohn daß er ihn verfolgt, und weil man sich verglichen,
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Zu reisen wieder heim, ward Joel dieses inn,
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Und spricht den Vater an, wie sein verliebter Sinn
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Sey gegen mir entbrannt, und will sein Eydam werden.
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Saul sich hierob entsetzt, weil er so viel Beschwerden
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Bey dieser Heurath sah. Der Tochtermann zwar war
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Der Höchst in Jsrael, doch war auch offenbar,
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Wie er sein Leben führt, und daß nicht würd bestehen
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Die Ehr, in welcher man ihn damahls konnte sehen.
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Er darff nicht sagen nein, das Jawort war auch schwer,
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Er liebete die Ruh, sein Kind doch noch vielmehr,
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Und saget endlich so: Es stünde zu bedencken,
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Sein Vater lebte noch, wann der sich liesse lencken
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Zu dieser hohen Ehr, sollts ihm gefällig seyn,
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Wo nicht, so müst er auch mit deme stimmen ein.
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Der Joel, der so klug, als arg und schalckhaft ware,
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Will, daß mans gleich beschließ, eh man es offenbare
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Dem Kis, der sich nicht lang hierinn bedencken werd;
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Was Saul gefällig sey, da würd er ohn Beschwerd
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Sich willig geben ein, und möchte er wohl spühren,
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Daß ihn mein Vater wollt so auf das weite führen.
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Der dann voll Sorg und Angst sich weiß zu rathen nicht,
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Und darf nicht melden an, woran es recht gebricht.
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Indem er nun so schweigt, will Joel Antwort wissen,
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Bald drohet er, und bald ist wieder er beflissen,
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Zu suchen in der Güt, was sein Anbringen war.
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Mein Vater, der ihm stellt für Augen die Gefahr,
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Wann er würd sagen nein, sagt ja, nur mit dem Munde,
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Das Nein viel wahrer war in seines Hertzens Grunde.
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Drauf Joel ist vergnügt, mein Vater hochbetrübt,
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Und ich erfahr es auch, daß man mich Joel giebt.
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Wann ich dir melden wollt, wie ich mich that gebährden,
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Würd ich vermehren nur ohndeme die Beschwerden,
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Die meine Red dir giebt. Ich stellte mich so an,
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Daß man in kurtzer Zeit mich kaum mehr kennen kan.
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Ich bin des Joels Braut, der sich nichts an mich kehret,
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Acht Gegenliebe nicht, die Meinigen nicht ehret,
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Und hält mich schon so schlecht, eh ich ihm noch getraut,
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Daß, was noch wird geschehn, man klärlich spürt u. schaut.
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Indem kommt ein Geschrey, daß Adriel entwichen,
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Weil er mit Ada hätt in Unzucht sich verschlichen,
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Und giebt sie Gera an, der uns ist nah verwandt.
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Abenar als ihm dieß von Ada ward bekannt,
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Ließ seinen Eifergeist auf einmahl mächtig toben.
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Von uns konnt diese Schand kein Mensche billig loben.
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Ich war also verführt, daß Adriel es war,
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Der diese That gethan, daß ich schier noch erstarr,
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Wann ich daran gedenck. Es ward mit solchen Gründen
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Herfür gebracht, daß man nicht wohlkonnt Ada finden
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In Unschuld wie sie sagt, ihr schweeren nichtes galt,
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Der Gera schwure auch; und wie sie sich anstallt,
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Sah man wol, daß sie war erschrocken und verborgen,
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Und ware ihr Geschlecht daher in grossen Sorgen.
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Abenar wollt den Schimpf den Ada ihm gethan,
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Nicht leiden, sein Geschlecht stund da für einen Mann.
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Rimon ihr Vater kam und ihre beyde Brüder,
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Baena und Rechob, und ihres Stammes Glieder,
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Die wollen, Gera sollt beweisen was er sagt,
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Und wurde diese Sach dem Richter angebracht.
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Die Berothiter all gen Bersaba erschienen,
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Abenars Freund seynd auch bereit ihm wohl zu dienen,
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Darunter unser Hauß auch mit begriffen war;
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Es kame Kis auch selbst nebst meinen Brüdern dar.
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Die Ada als sie sah den Beystand ihrer Freunde,
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Erhobe sich ihr Muth und pocht sie ihre Feinde,
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Sie foderte die Rach, weil Gera ihr Geschlecht
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Also geschändt, so soll ihr Joel sprechen Recht.
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Der Joel fraget nach, wo Adriel möcht leben,
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Es wird in alle End hin der Befehl gegeben,
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Daß Adriel erschien, ich wünscht und wünschte nicht,
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Daß er sich stellte ein für Joels sein Gericht;
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Dann, war er ohne Schuld, hätt er doch leiden müssen,
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Und schnldig mocht ich nicht ihn sehn sein Blut vergiessen.
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Drum war ich froh als er zur rechten Zeit nicht kam,
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Da doch erschiene der Meholathiter Stamm.
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Daß also drey Geschlecht um dieser Sache willen
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Für Joel stellten sich, gerichtlich zu erfüllen,
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Was jedes Ehr betraf. Der Jeminiter Haus
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Es mit Abenar hielt, der wolte gantz durchaus
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Daß Ada würd verdammt. Die Berothiter sprachen:
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Der Gera zeuget falsch, man muß zu diesen Sachen
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Noch kläreren Beweiß. Des Adriels Geschlecht
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Hält es mit Ada auch, und ihre Ehr verfecht.
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Dieß war ein harter Streit und gar ein schwerer Handel,
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Man wuste nichtes böß von Ada ihrem Wandel,
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Und Gera war ein Mann der keinen nicht betrog,
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Daher sich diese Sach gar lange hin verzog;
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Und führt ich unterdeß ein so betrübtes Leben,
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Weil ich in Haß und Lieb und Eifersucht must schweben,
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Daß es noch Wunder ist, daß ich nicht gar verfiel,
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Und meine Lebens-Zeit erreicht ihr letztes Ziel.
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Dieß ware noch mein Trost, daß dieser Handel machte,
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Daß Joel nicht so bald an unsre Hochzeit dachte,
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Dann ihm war keine Frist, der Morgen, Mittag, Nacht,
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Wurd für dem Richterstuhl beständig zugebracht.
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Der Berothiter Stamm als der zum meisten litte,
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War auch der, so die Ehr der Ada wohl bestritte,
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Daß wann nicht Joel hätt dem Gera Hülff erzeigt,
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Der ihm insonderheit in allem war geneigt,
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Wär es schier seyn geschehn Man kont sich nicht drein richten.
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Joel war Ada hold, und wollte doch nicht schlichten
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Die Sach wie er gekonnt, er fiele allen bey,
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Er sprach kein Urtheil nicht, und sprach auch keinen frey.