Die Geschichte des Davids, Königs in Juda

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Johann Jacob Bodmer: Die Geschichte des Davids, Königs in Juda (1743)

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Weil aber es also nun mit dem König stuhnde,
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Ahinoam, die nicht für rathsamlich befunde,
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Daß das ihr Ehgemahl, wie es in Juda war,
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Sogleich erfahren müßt, wolt bergen die Gefahr;
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Weil sie gar wohl bedacht, es würde weiter kommen
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Des Königs Traurigkeit, wann er diß hätt vernommen,
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Und wo Betrübniß ist, folgt eine Furcht hernach,
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Daß uns offt allzuschwer scheint eine leichte Sach.
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Drum solte Jonathan allein dem Feind entgegen.
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Dennoch nach langem Rath, nach vielem Ueberlegen,
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Findt Abner es für gut, daß ers dem König sagt.
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Er gieng in sein Gemach des Morgens unbefragt,
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Als Saul noch lag zur Ruh: doch wann nur Ruh zu nennen
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Die Schreckens-volle Träum, das innerliche Brennen,
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Die Schwermuth seines Geists, die ihn niemahls verließ,
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So daß sein Schlaffen recht ein stetes Wachen hieß.
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Sobald er Abner sah, fieng sein Hertz an zu schlagen,
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Und furchte sich für was, das er nicht konnte sagen,
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Er reichte ihm die Hand, und sah ihn zitternd an,
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Und Abner bringt es für, so gut er immer kan.
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Mein König, sagte er, es giebt ein neues Siegen,
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Gott hat dir was geschickt, dein Hertze zu vergnügen,
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Man sieht, dir dienet nicht die stille Einsamkeit,
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Du bist nur kranck, weil du nicht mehr ziehst in den Streit.
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Schau doch ein Volck von Gad köm̃t an, und will es wagen,
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Sich mit dir, Grosser Saul! in einem Streit zu schlagen,
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Bey Socho stehen sie, und seynd dazu bestimmt,
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Daß dort dein Helden-Muth ihr Toben ihnen nimmt.
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Der König schwiege still, und dacht in seinen Sinnen,
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Wo ist mein erster Muth, mein tapferes Beginnen?
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Wo find ich Saul in mir? ich bin sein Bild allein,
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Was ehmahls war mein Wunsch, macht mir anjetzo Pein.
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Als Abner nun kein Wort vom König konnte bringen,
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Vergieng ihm schier der Muth, daß es ihm würd gelingen.
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Doch sagt er noch einmahl, wie ist dann Saul verkehrt,
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Daß er sein Volck nicht mehr zu schützen nun begehrt?
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Auf König thu dein Amt, daß Juda werd befreyet.
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Ach! brache Saul heraus, ob zwar mein Hertz nicht scheuet
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Diß unbeschnittne Volck, so ist doch Gott von mir;
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Was kan ich ohne Gott? Gott sagte mir sonst für,
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Des Siegs gewiß zu seyn; der hat mich nun verlassen,
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Sein Geist denckt nicht an mich, sein Will ist mich zu hassen.
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Ey! sprache Abner drauf, das ist ja nur ein Wahn.
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Ach! sagte Saul, wer es also empfinden kan
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Als ich, der wird gewiß mit mir nur dahin zielen,
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Was Höllenangst es sey, nicht Gottes Gnad zu fühlen.
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Hiemit erblaßte Saul, er ächzt und seufzte tief,
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Ein starcker Thränen-Bach ihm aus den Augen lief.
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Sein gantzer Leib erstarrt, sein Hertz hub an zu springen,
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Die Lippen rührten sich ohn etwas fürzubringen.
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Dem Abner wurde bang, er rieffe oft und viel,
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Daß doch der Knab bald käm mit seinem Saitenspiel.
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Der schöne David kam und rührte seine Saiten,
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Damit die Lieblichkeit sich mehrt, stuhnd er von weiten,
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Und als der Harffenklang zum König drang hinein,
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Entwich der Trauer-Geist und liesse Saul allein.
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Er richtet sich empor, und seine matte Glieder
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Bekamen ihre Ruh und neue Stärcke wieder,
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Er lachte David an, den er gantz innig liebt,
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Weil dessen Saitenspiel, ihm süssen Labsaal giebt.
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Wo warst du doch mein Sohn, sprach er zu diesem Knaben,
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Ohn dich kan ja mein Hertz nie wahre Ruhe haben;
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Herr König, sprach der Knab aus fürgenommnen Rath,
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Ich hörte an wie man zum Streit Beliebung hat,
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Wie Jonathan der Printz, und deiner Helden Schaaren,
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Nach Socho hin verlangt, da Ecron soll erfahren,
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Was Jacobs Gott vermag. Ja! trat hie Abner zu,
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Und sprach, all deine Leut die haben keine Ruh,
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Sie wollen für den Feind und mit dir König siegen,
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Wann Saul nur bey uns ist, so muß der Feind erliegen.
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Hiezu kam Jonathan und stuhnde Abner bey,
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Auch selbst Ahinoam sagt, daß es nöthig sey.
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Der König der für sie wolt keine Zagheit weisen,
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Die er gar nicht besaß, hub nunmehr an zu preisen,
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Der andern ihren Muth und gienge alles ein,
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Er wolte für dem Heer auch selbst der Erste seyn.
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Ahinoam erfreut, so muthig ihn zu sehen,
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Sah niemahls ihn so gern in eine Feldschlacht gehen.
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Thalmais, Jonathans vertrautes Ehgemahl,
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Hört diesen Feldzug an gleich einen Donnerknall.
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Sie wußt wie Jonathan sich pflegte nie zu scheuen,
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Und hört aus seinem Wort, aus seinem dapfern Dräuen,
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Wie es solt Ecron gehn, drum war ihr Hertz und Sinn
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Voll Liebes-Traurigkeit, doch weil sie sich darinn
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Für ihme bergen must, weil er nicht wol kont leiden,
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Daß das ihr Klagen war, was er vollführt mit Freuden;
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Daher verschwieg sie nur, was ihr ein Trauren bracht,
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Und was ihr Hertz beweint, dasselb ihr Mund belacht.
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Die Merob und Michal die wollen bey ihr bleiben,
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Mit ihr die lange Weil indessen zu vertreiben,
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Und weil nun Jonathan den Abschied nehmen will,
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Umfäht sie ihn und spricht: Wag dich auch nicht zu viel!
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Er schaut sie lieblich an, und ohn ein Wort zu sprechen
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Setzt er sich auf sein Pferd, den Unmuth ihr zu brechen,
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So ritt er was er kan, gantz Jsrael war da,
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Ein jeder rüstet sich, weil schon der Feind so nah.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Jakob Bodmer
(16981783)

* 19.07.1698 in Greifensee, † 01.01.1783 in Schönenberg

männlich, geb. Bodmer

Schweizer Autor

(Aus: Wikidata.org)

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