Die Geschichte des Davids, Königs in Juda

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Johann Jacob Bodmer: Die Geschichte des Davids, Königs in Juda (1743)

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Saul der zu Gibea sich fand mit seinen Helden,
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Als die von Socho ihm dieß liessen hin vermelden,
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War stets in seiner Burg, und ließ sich wenig sehn,
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Weil die Ahinoam dies rieth, um zu entgehn,
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Daß nicht gantz Jsrael des Königs Trauer-Wesen
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Sobald erfahren möcht, bis daß er erst genesen,
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Wie ihre Hoffnung war; und Jonathan sein Sohn,
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Der Helden edle Zier und der Soldaten Kron,
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Verhütete mit Fleiß, daß seines Vaters Zagen
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Nicht würd von einem Stam̃ zum andern umgetragen.
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Die Ursach war ihm kund, und mehr dann allzu leyd,
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Und deren zu entgehn war es nun nicht mehr Zeit.
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Die Sünde war gescheh’n, und der, so Gott verlassen,
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Und sein Geboth versäumt, ward wieder gleichermassen
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Ohn Gottes Geist und Trost alleine hingestellt;
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Die Gnaden-Thür war zu, das Urtheil schon gefällt,
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Daß Saul sein Königreich solt werden hingerissen,
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Wie Samuel ihm ließ von Gottes wegen wissen,
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Und daß sein Nächster solt, der besser, als wie er,
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Besteigen seinen Thron und seine Königs-Ehr.
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Wann alles dieses Saul in seinem Sinn erwoge,
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Und den gedrohten Fall sich zu Gemüthe zoge,
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Kam ihm ein Grämen an, ein Zagen, eine Quaal,
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Die ihm durch Marck und Bein, durchdrunge überall.
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Er war aus Gottes Gnad, drum kont kein Trost ihn laben.
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Der nicht hat Gottes Geist, was wolt der übrig haben?
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Wann ihm der Satan setzt mit seinen Pfeilen zu,
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Wo ist dann wohl ein Orth, der ihme giebet Ruh?
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Doch konte der allein, auf den der Geist des Herren
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Gerathen war, mit Krafft, des Königs Trauren kehren,
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Der schöne Hirten-Knab, Jsai jüngster Sohn,
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Der David, des Geschlechts und seines Hauses Kron.
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Den hatte man nach Hof zum König lassen kommen,
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Wie man an ihm zuerst die Hertzensangst vernommen,
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Und weil sonst keine Cur den König heilen kunnt,
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So solt es David thun, der die Musik verstuhnd,
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Und Stimm und Harffenklang so künstlich wußt zu führen,
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Daß ihre Lieblichkeit konnt auch die Geister rühren.
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Der böse Geist entweicht, wann Davids Harff erklingt,
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Weil dessen Reinlichkeit ihm einen Schrecken bringt.
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Er meidet David drum, weil da aus dessen Lenden
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Der Heyland aller Welt wird seine Macht umwenden,
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Das er wohl merckte an, drum war er ihm so gram,
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Daß er von Saul entwich, wenn David zu ihm kam,
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Der da ein Jüngling war, von überschöner Jugend,
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Mit der sich hat gepaart die vollenkommne Tugend,
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Daß jedem die Gestalt, und sein Gemüth gefiel,
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Wer einmahl ihn geseh’n, stets um ihn leben will.
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Er war von Antlitz schön, und bräunlich wohlgezieret
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Stuhnd ihm sein lockicht Haar. Die Augen, die er führet
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Mit Zucht und keuscher Scham, die zeigen einen Muth,
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Der seinen Feinden scharff, und seinen Freunden gut.
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Die Wangen Milch und Blut mit solcher Gleichheit tragen,
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Daß sie dem Frauenvolck die Eiferröth’ abjagen.
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Der Mund steht stets bereit von Gottes Ruhm und Ehr
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Zu singen ohne End. Was soll man sagen mehr?
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Der schöne David war mit keinem zu vergleichen,
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Für seinen schönen Leib und Geist muß alles weichen,
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Des Königs gantzer Hof liebt diesen jungen Held,
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Ja allem Frauenvolck er mehr als wol gefällt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Jakob Bodmer
(16981783)

* 19.07.1698 in Greifensee, † 01.01.1783 in Schönenberg

männlich, geb. Bodmer

Schweizer Autor

(Aus: Wikidata.org)

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