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Ich will die hohen Werck und Lebenslauf des Helden,V. 1. Ich will die hohen Werck und Lebens-Lauf des Helden)
Der Epische Poet muß sich in
Acht nehmen, daß die Quantität
Materie, die er sich vornimmt
abzuhandeln, nicht so groß sey,
daß das Gedicht, wenn er nach-
gehends in der Ausführung der
Fabel einige Zwischenfabeln
unterflechten, und die Sachen,
die in ihrer Natur einfältig sind,
auszieren und ausbilden will,
zu einer ungemessenen und
ungeheuren Grösse anwachse;
oder daß er, dieses zu vermeiden,
genöthiget sey, die Zierrathen
und die Ausbildungen der Poesie
wegzulassen, die zu einem poeti-
schen Wercke erfodert werden,
und sich bloß in den Schrancken
der einfältigen Historie aufzuhal-
ten. In diese Gefahr begiebt sich
ein Poet, der das gantze Leben ei-
nes Helden zur Materie seiner
Arbeit nimmt, denn da es an
grossen und verschiedenen Bege-
benheiten so reich ist, muß das
Gedichte eine übermässige Grösse
bekommen, wann er eine jede von
diesen Handlungen nach der
Pflicht eines Poeten mit ihren
Ursachen, Fortgang und Ende
ausführen, und darbey die Zier-
rathen der Poesie anbringen will.
Und wie wird in diesem Fall das
Gedächtniß zureichen mögen,
daß es alle diese mannigfaltigen
Dinge, wie sie in ihrem versteck-
ten Zusammenhange vereiniget
sind, behalten könne, ohne sich
zu verirren?
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Der Juda bracht die Kron, besingen und vermelden.
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Des Königs, dessen Thron man nicht gnug preisen kan,
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Weil alle Welt von dem schaut ihren Heyland an.
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Aus seinem Stamme ist der Heyden Licht entstanden,
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Sein ewig-während Lob verbleibt in allen Landen,
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Die Nachwelt spricht von ihm, daß für den Hirtenstab
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Der Höchste ihm den Thron und Königsscepter gab.
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Er ließ in Gottesfurcht, Geduld, Muth, Güte, blicken,
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Und kont in jedem Stand, sich wie er solte schicken,
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Jm Lehramt war er groß, und im Regentenstand,
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Auch Haus-Stand ordentlich, diß nährte Volck und Land.
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Sein hoher Wundergeist macht ihn bald zum Propheten,
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Und seine Lieb zu Gott zum Lehrer der Poeten.
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Er führte so sein Volck gleich als er selbst sich führt,
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Er war des Willens Herr, drum ward auch wol regiert.
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Was säum ich aber noch, den Nahmen fürzutragen?
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Der David ist es, merckt, von dem ich wollen sagen,
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Ja David ist mein Held, von dem mein schwacher Kiel,
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Doch aus zu stolzem Muth, anietzo schreiben will.
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Ja wahrlich ist mein Muth hierinnen stoltz zu nennen,
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Dieweil ich mich vergeß hierinn selbst zu erkennen:
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Doch David macht mich kühn. Mein David war ein Knab,
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Als er dem Goliath den Sieg gewonnen ab.
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Was ich mich unternehm, vergleich ich mit dem Riesen,
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Den zu bezwingen man zwar andre solt’ erkiesen,
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Von einer klügern Hand, von einem schärffern Sinn,
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Doch unternehm ich mirs, so schwach ich immer bin.
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Und wann ich gleich damit nicht allen werd behagen,
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So wird in dieser Furcht mein Will doch nicht verzagen,
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Ich singe gleichwol fort. Mein David läßt mir zu,
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Daß ich zu seinem Lob, so viel ich kan, nur thu.
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Ich suche keine Ehr in meinen Reim-Gedichten,
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Ich achte nicht, wann mich die Welt hierinn will richten,
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Ich sing aus freyer Lust, und nicht aus hohem Geist,
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Von David, dessen Thun mit mir ein jeder preist.