XlIII. Ebenbildt vnsers Lebens

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Andreas Gryphius: XlIII. Ebenbildt vnsers Lebens (1650)

1
Der Mensch das spiel der zeit/ spielt weil er alhie lebt.
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Jm Schaw-platz dieser welt; er sitzt/ vnd doch nicht feste.
3
Der steigt vnd jener fält/ der suchet die Paläste/
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Vnd der ein schlechtes dach/ der herscht vnd jener webt.

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Was gestern war ist hin/ was jtzt das glück erhebt;
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Wirdt morgen vntergehn/ die vorhin grünen äste
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Sindt nunmehr dür vnd todt/ wir armen sindt nur gäste
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Ob den ein scharffes schwerdt an zarter seide schwebt.

9
Wir sindt zwar gleich am fleisch/ doch nicht von gleichem
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stande
11
Der trägt ein purpur-kleidt/ vnd jener gräbt im Sande/
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Biß nach entraubtem schmuck/ der Tod vns gleiche macht.

13
Spilt denn dis ernste spiel: weil es die zeit noch leidet.
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Vnd lernt: das wenn man vom pancket des lebens scheidet:
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Kron/ weisheit/ stärck vnd gut/ sey ein geborgter pracht.

(Gryphius, Andreas: Teutsche Reim-Gedichte. Frankfurt (Main), 1650.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Andreas Gryphius
(16161664)

* 02.10.1616 in Głogów, † 16.07.1664 in Głogów

männlich, geb. Gryphius

natürliche Todesursache | Schlaganfall

Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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