I

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Annette von Droste-Hülshoff: I (1844)

1
Der Anger dampft, es kocht die Ruhr,
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Im scharfen Ost die Halme pfeifen,
3
Da trabt es sachte durch die Flur,
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Da taucht es auf wie Nebelstreifen,
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Da nieder rauscht es in den Fluß,
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Und stemmend gen der Wellen Guß
7
Es fliegt der Bug, die Hufe greifen.

8
Ein Schnauben noch, ein Satz, und frei
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Das Roß schwingt seine nassen Flanken,
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Und wieder eins, und wieder zwei,
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Bis fünf und zwanzig stehn wie Schranken:
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Voran, voran durch Haid und Wald,
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Und wo sich wüst das Dickicht ballt,
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Da brechen knisternd sie die Ranken.

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Am Eichenstamm, im Ueberwind,
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Um einen Ast den Arm geschlungen,
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Der Isenburger steht und sinnt
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Und naget an Erinnerungen.
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Ob er vernimmt, was durch's Gezweig
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Ihm Rinkerad, der Ritter bleich,
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Raunt leise wie mit Vögelzungen?

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„graf, flüstert es, Graf haltet dicht,
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Mich dünkt, als woll' es euch bethören;
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Bei Christi Blute, laßt uns nicht
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Heim wie gepeitschte Hunde kehren!
26
Wer hat gefesselt eure Hand,
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Den freien Stegreif euch verrannt?“ —
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Der Isenburg scheint nicht zu hören.

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„graf, flüstert es, wer war der Mann,
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Dem zu dem Kreuz die Rose
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Wer machte euren Schwätzer dann
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In seinem eignen Land zum Gaste?
33
Und, Graf, wer höhnte euer Recht,
34
Wer stempelt euch zum Pfaffenknecht?“ —
35
Der Isenburg biegt an dem Aste.

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„und wer, wer hat euch zuerkannt,
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Im härnen Sünderhemd zu stehen,
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Die Schandekerz' in eurer Hand,
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Und alte Vetteln anzuflehen
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Um Kyrie und Litaney!?“ —
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Da krachend bricht der Ast entzwei
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Und wirbelt in des Sturmes Weben.

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Spricht Isenburg: „mein guter Fant,
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Und meinst du denn ich sey begraben?
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O laß mich nur in meiner Hand —
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Doch ruhig, still, ich höre traben!“
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Sie stehen lauschend, vorgebeugt;
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Durch das Gezweig der Helmbusch steigt
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Und flattert drüber gleich dem Raben.

(Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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