Samstag

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Annette von Droste-Hülshoff: Samstag (1844)

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Wie funkeln hell die Sterne,
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Wie dunkel scheint der Grund,
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Und aus des Teiches Spiegel
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Steigt dort der Mond am Hügel
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Grad um die elfte Stund'.

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Da hebt vom Predigthefte
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Der müde Pfarrer sich;
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Wohl war er unverdrossen,
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Und endlich ist's geschlossen,
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Mit langem Federstrich.

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Nun öffnet er das Fenster,
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Er trinkt den milden Duft,
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Und spricht: „Wer sollt es sagen,
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Noch Schnee vor wenig Tagen,
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Und dies ist Maienluft.“

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Die strahlende Rotunde
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Sein ernster Blick durchspäht,
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Schon will der Himmelswagen
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Die Deichsel abwärts tragen.
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„ja, ja es ist schon spät!“

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Und als dies Wort gesprochen,
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Es fällt dem Pfarrer auf,
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Als müß' er eben deuten
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Auf sich der ganz zerstreuten,
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Arglosen Rede Lauf.

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Nie schien er sich so hager,
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Nie fühlt' er sich so alt,
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Als seit er heut begraben
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Den langen Moriz Raben,
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Den Förster dort vom Wald.

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Am gleichen Tag geboren,
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Getauft am gleichen Tag!
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Das ist ein seltsam Wesen,
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Und läßt uns deutlich lesen,
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Was wohl die Zeit vermag!

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Der Nacht geheimes Funkeln,
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Und daß sich eben muß,
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Wie Mondesstrahlen steigen,
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Der frische Hügel zeigen,
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Das Kreuz an seinem Fuß:

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Das macht ihn ganz beklommen,
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Den sehr betagten Mann,
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Er sieht den Flieder schwanken,
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Und längs des Hügels wanken
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Die Schatten ab und an.

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Wie oft sprach nicht der Todte
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Nach seiner Weise kühn:
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„herr Pfarr', wir alten Knaben,
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Wir müssen sachte traben,
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Die Kirchhofsblumen blühn.“

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„so mögen sie denn blühen!“
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Spricht sanft der fromme Mann,
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Er hat sich aufgerichtet,
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Sein Auge, mild umlichtet,
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Schaut fest den Aether an.

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„hast Du gesandt ein Zeichen
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Durch meinen eignen Mund,
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Und willst mich gnädig mahnen
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An unser Aller Ahnen,
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Uralten ew'gen Bund;“

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„nicht lässig sollst Du finden
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Den, der Dein Siegel trägt,
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Doch nach dem letzten Sturme“ —
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Da eben summt's vom Thurme,
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Und Zwölf die Glocke schlägt. —

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„ja, wenn ich bin entladen
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Der Woche Last und Pein,
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Dann führe, Gott der Milde,
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Das Werk nach Deinem Bilde
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In Deinen Sonntag ein.“

(Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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