Mittwoch

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Annette von Droste-Hülshoff: Mittwoch (1844)

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Begleitest du sie gern
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Des Pfarrers Lust und Plagen:
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Sich gleich an allen Tagen
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Triffst du den frommen Herrn.
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Der gute Seelenhirt!
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Tritt über seine Schwelle;
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Da ist er schon zur Stelle
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Als des Kollegen Wirth.

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In wohlgemeinten Sorgen,
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Wie er geschäftig thut!
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Doch dämmert kaum der Morgen,
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Dies eben dünkt ihm gut.
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Am Abend kam der Freund
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Erschöpft nach Art der Gäste;
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Nun säubre man auf's Beste,
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Daß alles nett erscheint.

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Schon strahlt die große Kanne,
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Die Teller blitzen auf;
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Noch scheuert Jungfer Anne,
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Und horcht mitunter auf.
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Ach, sollte sie der Gast
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Im alten Jäckchen finden:
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Sie müßte ganz verschwinden
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Vor dieser Schande Last.

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Und was zur Hand thut stehen,
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Das reizt den Pfarrer sehr,
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Die Jungfer wird's nicht sehen,
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Er macht sich drüber her;
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Die Schlaguhr greift er an
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Mit ungeschickten Händen,
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Und sucht sie sacht zu wenden;
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Der übermüth'ge Mann!

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Schleppt Foliantenbürde,
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Putzt Fensterglas und Tisch;
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Fürwahr mit vieler Würde
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Führt er den Flederwisch.
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Am Paradiesesbaum
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Die Blätter zart aus Knochen,
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Eins hat er schon zerbrochen,
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Jedoch man sieht es kaum.

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Und als er just in Schatten
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Die alte Klingel stellt —
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Es kömmt ihm wohl zu statten —
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Da rauscht es draußen, gelt!
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Fidel schlägt an in Hast,
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Die Jungfer ist geflüchtet,
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Und stattlich aufgerichtet
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Begrüßt der Pfarr' den Gast.

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Wie dem so wohl gefallen
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Die Aussicht und das Haus,
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Wie der entzückt von allen,
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Nicht Worte drücken's aus!
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Ich sag' es ungenirt,
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Sie kamen aus den Gleisen,
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Sich Ehre zu erweisen,
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Der Gast und auch der Wirth.

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Und bei dem Mittagessen,
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Das man vortrefflich fand,
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Da ward auch nicht vergessen
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Der Lehr- und Ehrenstand.
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Ich habe viel gehört,
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Doch nichts davon getragen,
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Nur dieses mag ich sagen,
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Sie sprachen sehr gelehrt.

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Und sieh nur! drüben schreitet
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Der gute Pfarrer just,
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Er hat den Gast geleitet
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Und spricht aus voller Brust:
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„es ist doch wahr! mein Haus,
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So nett und blank da droben,
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Ich muß es selber loben,
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Es nimmt sich einzig aus.“

(Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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