Die Erzstufe

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Annette von Droste-Hülshoff: Die Erzstufe (1844)

1
Ja, Blitze, Blitze! der Schwaden drängt
2
Giftiges Gas am Risse hinaus,
3
Auf einem Blitze bin ich gesprengt
4
Aus meinem funkelnden Kellerhaus.
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O, wie war ich zerbrochen und krank,
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Wie rieselt's mir über die blanke Haut,
7
Wenn langsam schwellend der Tropfen sank,
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Des Zuges Schneide mich angegraut!

9
Kennst du den Bergmönch, den braunen Schelm,
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Dem auf der Schulter das Antlitz kreißt?
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Schwarz und rauh wie ein rostiger Helm,
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Wie die Grubenlampe sein Auge gleißt.
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O, er ist böse, tückisch und schlimm!
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Mit dem Gezähn
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Bis das schwefelnde Wetter im Grimm
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Gegen die weichende Rinde schwallt.

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Steiger bete! du armer Knapp',
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Dem in der Hütte das Kindlein zart,
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Betet! betet! eh ihr hinab,
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Eh zum letzten Male vor Ort ihr fahrt.
21
Sieben Nächte hab' ich gesehn
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Wie eine Walze rollen den Nacken,
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Und die Augen funkeln und drehn,
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Und das Gezähn schürfen und hacken.

25
Dort, dort hinter dem reichen Gang
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Lauert der giftige Brodem; da
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Wo der Kobold den Hammer schwang,
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Wo ich am Bruche ihn schnuppern sah.
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Gleich dem Molche von Dunste trunken
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Schwoll und wackelt' der Gnom am Grund,
31
Und des Gases knisternde Funken
32
Zogen in seinen saugenden Schlund.

33
Bete, Steiger, den Morgenpsalm
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Einmal noch, und dein „walt's Gott“,
35
Deinen Segen gen Wetters Qualm,
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Gäh' Verscheiden und Teufelsrott'.
37
Schau noch einmal in's Angesicht
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Deinem Töchterchen, deinem Weib,
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Und dann zünde das Grubenlicht.
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„gott die Seele, dem Schacht der Leib!“

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Sie sind vor Ort, die Lämpchen rund
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Wie Irrwischflämmchen aufgestellt.
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Die Winde keucht, es rollt der Hund,
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Der Hammer pickt, die Stufe fällt,
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An Bleigewürfel, Glimmerspath
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Zerrinnend, malt der kleine Stral
47
In seiner Glorie schwimmend Rad
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Sich Regenbogen und Opal.

49
Die Winde keucht, es rollt der Hund. —
50
Hörst du des Schwadens Sausen nicht?
51
Wie Hagel bröckelt es zum Grund —
52
Der Hammer pickt, die Stufe bricht; —
53
Weh, weh! es zündet, flammt hinein!
54
Hinweg! es schmettert aus der Höh'!
55
Felsblöcke, zuckendes Gebein!
56
Wo bin ich? bin ich? — auf der See?
57
Und welch Geriesel — immer immerzu,
58
Wie Regentropfen, regnet's?

(Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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