2. An Henriette von Hohenhausen

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Annette von Droste-Hülshoff: 2. An Henriette von Hohenhausen (1844)

1
Wie lieb, o Nähe; Ferne, ach wie leid;
2
Wie bald wird Gegenwart Vergangenheit!
3
Warum hat Trauer denn so matten Schritt,
4
Da doch so leicht die frohe Stunde glitt?
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Ach, wer mir liebe Stunden könnte bannen,
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Viel werther sollt' er seyn, als der vermöchte
7
Der trüben schlaffe Sehnen anzuspannen,
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Denn Leid im Herzen wirbt sich theure Rechte,
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Und wer es nimmt, der nimmt ein Kleinod mit.

10
Reich' mir die Hand! du hast mich froh gemacht.
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In öder Fremde hab' ich dein gedacht,
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Werd' oft noch sinnen deinem Blicke nach,
13
So mildes Auge hellt den trübsten Tag.
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Laß Ferne denn zur Nähe sich gestalten
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Durch Wechselwort und inniges Gedenken.
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Reich' mir die Hand! — ich will sie treulich halten,
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Und drüber her mag immergrün sich senken
18
Der Tannenzweig, ein schirmend Wetterdach.

(Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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