Das Hirtenfeuer

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Annette von Droste-Hülshoff: Das Hirtenfeuer (1844)

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Dunkel, dunkel im Moor,
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Ueber der Haide Nacht,
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Nur das rieselnde Rohr
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Neben der Mühle wacht,
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Und an des Rades Speichen
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Schwellende Tropfen schleichen.

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Unke kauert im Sumpf,
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Igel im Grase duckt,
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In dem modernden Stumpf
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Schlafend die Kröte zuckt,
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Und am sandigen Hange
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Rollt sich fester die Schlange.

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Was glimmt dort hinterm Ginster,
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Und bildet lichte Scheiben?
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Nun wirft es Funkenflinster,
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Die löschend niederstäuben;
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Nun wieder alles dunkel —
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Ich hör des Stahles Picken,
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Ein Knistern, ein Gefunkel —
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Und auf die Flammen zücken.

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Und Hirtenbuben hocken
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Im Kreis' umher, sie strecken
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Die Hände, Torfes Brocken
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Seh ich die Lohe lecken;
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Da bricht ein starker Knabe
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Aus des Gestrippes Windel,
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Und schleifet nach im Trabe
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Ein wüst Wacholderbündel.

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Er läßt's am Feuer kippen —
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Hei, wie die Buben johlen,
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Und mit den Fingern schnippen
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Die Funken-Girandolen!
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Wie ihre Zipfelmützen
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Am Ohre lustig flattern,
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Und wie die Nadeln spritzen,
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Und wie die Aeste knattern!

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Die Flamme sinkt, sie hocken
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Auf's Neu' umher im Kreise,
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Und wieder fliegen Brocken,
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Und wieder schwehlt es leise;
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Glührothe Lichter streichen
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An Haarbusch und Gesichte,
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Und schier Dämonen gleichen
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Die kleinen Haidewichte.

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Der da, der Unbeschuh'te,
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Was streckt er in das Dunkel
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Den Arm wie eine Ruthe,
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Im Kreise welch' Gemunkel?
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Sie spähn wie junge Geier
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Von ihrer Ginsterschütte:
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Hah, noch ein Hirtenfeuer,
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Recht an des Dammes Mitte!

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Man sieht es eben steigen
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Und seine Schimmer breiten,
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Den wirren Funkenreigen
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Ueber'n Wacholder gleiten;
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Die Buben flüstern leise,
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Sie räuspern ihre Kehlen,
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Und alte Haideweisen
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Verzittern durch die Schmehlen.

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„helo, heloe!
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„heloe, loe!
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„komm du auf uns're Haide,
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„wo ich meine Schäflein weide,
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„komm, o komm in unser Bruch,
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„da gibt's der Blümelein genug, —
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„helo, heloe!“

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Die Knaben schweigen, lauschen nach dem Tann,
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Und leise durch den Ginster zieht's heran:

(Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart u. a., 1844.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Annette von Droste-Hülshoff
(17971848)

* 10.01.1797 in Burg Hülshoff, † 24.05.1848 in Burg Meersburg

weiblich, geb. von Droste-Hülshoff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutsche Schriftstellerin und Komponistin

(Aus: Wikidata.org)

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