Betrachtung des Schlafs, als eine Göttliche Wohlthat, bey dem 1728sten Jahres-Wechsel

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Barthold Heinrich Brockes: Betrachtung des Schlafs, als eine Göttliche Wohlthat, bey dem 1728sten Jahres-Wechsel (1730)

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Denn diese hadern unter mir,
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Ich aber richte unter Dir.
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Laß, wenn der Sachen Eigenschafft;
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Und ihre Fälle zweifelhafft,
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Mich mehr geneigt seyn, loßzuzählen,
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Als strenge Straffen zu erwählen.
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Es sey mein Ansehn nie durch schelten, schnarchen, pochen,
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Und närrschen Amts-Trutz unterbrochen!
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Gieb, daß mit aufgeklärt- und heiterem Gesichte,
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Ich nicht als ein Tyrann, nein, als ein Vater richte!
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Und daß ich voller Lieb’ und Sanff tmuth jedem zeige
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Daß ich ihm Gutes gönn’ und doch das Recht nicht beuge!
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Gieb, daß die Sanfftmuth auch so weit sich nicht er-
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strecke,
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Daß ein Gewaltiger mich schrecke,
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Und mich, auch in dem kleinsten Dinge,
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Den Niedrigen zu unterdrücken zwinge!
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Gieb, daß ich dergestalt gelassen,
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Bemüht sey, so das Urtheil abzufassen,
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Daß niemand Ursach haben möge,
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Wenn Leidenschafften mich verführen,
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Von mir an mich zu appelliren.
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Laß mich mit Niederträchtigkeit
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Mein wichtig Amt niemahls beflecken,
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Doch aber auch zu keiner Zeit
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Mich höher, als mein Amt geht, strecken!
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Gieb, daß im Strudel-reichen Meer,
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Der offt nur gar zu sehr gedehneten Gesetze,
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Mit Vorbedacht nicht nur, auch nicht von ungefehr,
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Ich andre nicht, auch nicht mich selbst verletze!
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Ach laß mich nicht der mancherley Beschwerden,
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Noch der Gerichts-Zeit, müde werden!
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Gieb, daß absonderlich in diesen zweyen Jahren,
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Ich sonsten nichts zum Lohn zu haben sey beflissen,
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Von meinem redlichen Verfahren,
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Als bloß allein ein gut Gewissen.
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Gieb, daß ich, Dir allein zum Preise,
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Der Du, aus vielen, mich zu diesem Stand erhoben,
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Mich immer dergestalt erweise;
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Daß Dich auch meine Thaten loben!
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Sollt’ ich denn etwan nicht des Amtes End’ erleben,
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So wollest du mir, HERR, ein selig’s Ende geben!
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Wird es mir aber, HERR, durch deine Huld gelingen;
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Werd’ ich die Zeit gesund und glücklich überbringen;
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So gieb, daß ich nicht möge nur allein
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Darüber hertzlich mich erfreuen,
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Und Dir in Ehrfurcht danckbar seyn;
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Ach laß mein Saiten Spiel sodann, wie vor, erklingen!
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Ach laß mich voller Brunst, sodann von neuen,
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In Deinen herrlichen Geschöpffen, Dich besingen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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