1.

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Andreas Gryphius: 1. (1650)

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Nach dem deß Höchsten übergrosse gunst
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Die im Elend schier verschmachte/
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Die von jederman verlachte/
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Die Zion auß der heissen jammer brunst
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Auß dem verknüpfften Ketten-Netze/

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Dem Kercker stanck/ dem Angst gehetzt.
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Durch wunder-Allmacht außgerissen
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Vnd alß sein freyes

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Da zweifelt jeder: jeder stund vnd fragt
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Ist diß Zion die gekränckte?
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Die in jammerschlam̃ versenckte
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Die Brand/ vnd
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Ists Zion? oder muß mit liegen
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Vnß leichter träume dunst bekrigen.
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Wir schlaffen ja nicht? Nein wir wachen
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Vnd hören Zion frölich lachen.

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Die/ Zion die in herben leid erstickt;
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Der die Angst/ den Brunn der Thränen
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Gantz erschöpfft/ die mattes sehnen
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Nur noch allein mit schwachem
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Die wie ein Turteltäublein girret:
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Sitzt/ in geschwinde lust verwirret.
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Sie lacht/ sie jauchtzt/ sie rühmbt/ sie siegt.
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Daß Thal vnd Berg davon erklingt.

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Vnd billich! denn wer dieser wunder schawt:
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Vnd die gantz zersprengten Bande.
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Die in Ruhmb verkehrte Schande/
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Die rawe klufft/ für der der
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Läst mich bestürtzung von sich hören:
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Wieviel hat GOTT der H
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An jhr gethan:
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Was weder Ost noch West verschweiget.

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Ja freylich spricht Sie: Thut er viel an mir
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Drumb soll: weil mir Blutt vnd Leben
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Wird durch Hertz vnd Adern schweben
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Mein Mund vnd Hand/ vnd
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HeRR rette was sich noch nicht findet:
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Was der noch feste Fessel bindet.
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Was noch der Feind gefangen heisset:
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Was noch die scharffe wehmutt beisset.

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Diß wird dein Kind erquicken alß die flutt
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Alß das rauschen von den Bächen
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Die so mit durst vnd gebrechen/
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Jm Suden quelt der Sonnen schwere glutt.
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Wie leichter Taw das Land ergetzet
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Wie Regen der die Felder uetzet/
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Die glüend-heisse Lufft getrennet
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Vnd schier zu leichten staub verbrennet.

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Diß bleibt deß Himmels ewig-fester Schluß
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Daß Betrübte nicht stets klagen:
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Daß die wollust folgt den Plagen
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Daß wer getrawrt zu letzte jauchzen muß/
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Die jhre Saat in Angst auß strewen.
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Die wird die Frucht-reich Erndt’ erfrewen:
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Seet Trähnen auß/ seet auß mit weynen.
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Trost wird (wenn jhr nun mayt) erscheinen.

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Man geht bestürtzt alß sonder Rath einher
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Wenn das wüßte Land zu bawen:
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Vnd kein mittel mehr zu schawen
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Wenn Scheur vnd Schoß von allem Saamē ler
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Doch wird das ach/ Das vnß verzehret
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In frewdenschwang’re Lust verkehret:
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Wenn man die vollen Garben bringet
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Vnd jauchzend’ vmb die Awen singet.

(Gryphius, Andreas: Teutsche Reim-Gedichte. Frankfurt (Main), 1650.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Andreas Gryphius
(16161664)

* 02.10.1616 in Głogów, † 16.07.1664 in Głogów

männlich, geb. Gryphius

natürliche Todesursache | Schlaganfall

Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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