1.

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Barthold Heinrich Brockes: 1. (1730)

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O GOTT! aus Dessen Wort Lufft, Meer und Erde
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quillet,
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Der Erde, Meer und Lufft, allgegenwärtig füllet;
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Ich lobe Deine Lieb’, und preise Deine Macht,
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Auch da, beym schnellen Blitz, der strenge Donner kracht.

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Dreut gleich der Grund der Welt zu wancken, zu vergehen,
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Lässt die geborstne Lufft gleich nichts, als Flammen, sehen,
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Rauscht gleich der Winde Wuth, netzt gleich ein Regen-
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Schwall
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Das überströmte Land mit Wassern überall.

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So zittert, blitzt und rauscht, doch alles GOTT zu Ehren,
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Er lässet seine Stimm’ im Donner gleichsam hören,
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Er zeiget seine Krafft und seine Lieb’, es bricht,
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Selbst durch den lichten Blitz, des Schöpfers Weisheits-
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Licht.

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Denn, der durch schwülen Dunst zu heisser Schwefel-Düffte,
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Aus seinem Gleich-Gewicht gepresste, Creis’ der Lüffte
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Wird durch den regen Blitz gereinigt, ausgeleert,
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Und durch das schnelle Feur zertheilt und aufgeklärt.

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Das, durch der Sonnen Gluht, und ihrer Strahlen Blitze,
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Fast gantz versengte Gras, das, durch so stete Hitze
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Gantz aufgeborstne Land würd’ Asche, Sand und Stein,
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Und folglich Mensch und Vieh bald ausgerottet seyn.

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So aber führet GOTT, zum Heil, und nicht zur Ruhten,
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Der Wolcken feuchte Frucht, die Seegens-reiche Fluhten,
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Durch Wind und Wetter her, macht durch der Blitze
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Brand
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Nicht nur die Lüffte rein, tränckt auch das dürre Land.

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O Weisheit sonder Ziel! O Allmacht sonder Gleichen!
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O wahrer Vater-Lieb untrüglich-helles Zeichen!
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Ach möchten wir es doch in froher Ehrfurcht sehn,
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Und auch im Wetter selbst der GOttheit Huld verstehn!

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Denn ob darüber gleich Lufft, Meer und Erd’ erschüttern,
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So darff ein frommes Hertz doch darum nicht erzittern:
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Schreckt dich des Schöpfers Macht; so dencke doch darbey:
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Daß Er, zu deinem Schutz, nicht minder mächtig sey.

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Gewiß, du ehrst Jhn nicht, wenn ein zu starckes Schrecken,
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Blitz, Hagel, Knall und Strahl, dem scheuchen Sinn er-
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wecken,
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Sieh deinen starcken GOTT doch nicht so schwächlich an,
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Daß er im Wetter dich nicht auch beschirmen kan.

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Es würcke Seine Macht ein Ehrfurcht-volles Grauen;
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Doch auch nicht weniger ein kindliches Vertrauen!
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An uns liebt unser GOTT zwar Ehrerbietigkeit,
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Doch mehr noch Zuversicht, noch mehr Gelassenheit.

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Denn solltest du dadurch auch Schaden nehmen können;
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So laß dich dennoch nicht von deinem Schöpfer trennen!
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Ohn Jhn kann nichts geschehn: und was durch Jhn ge-
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schicht,
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Ist alles nütz und gut, begreifft man es gleich nicht.

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Wann aber dieses nicht in unfern Händen stehet,
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Und man sich bloß, o HERR! durch Dich, zu Dir erhöhet,
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So fleh’ ich inniglich: Gieb mir die Eigenschafft,
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Die Dir gefällig ist, und des Vertrauens Krafft.

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So offt wir blitzen sehn, so offt wir donnern hören,
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Laß uns, HERR Zebaoth, Dich lieben, fürchten, ehren!
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Denn ob im Wetter gleich uns GOTTES Lieb anlacht,
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Sind Blitz und Donner doch auch Proben Seiner Macht.

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Von unserm Nichts kan nichts so klar uns überführen,
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Als wenn wir die Gewalt der Elementen spüren.
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Die ungeheure Macht erweiset, wie so klein,
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So elend, so gering und arm wir Menschen seyn.

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Drum HERR erbarme Dich! erbarme Dich aus Gnaden,
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Laß dies Gewitter doch den Unsrigen nicht schaden!
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Gieb daß der grause Sturm, gieb daß der Schlossen Heer
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Uns weder Leib noch Gut beschädig’ und versehr.

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Gieb, daß der wilde Blitz, so Feld-als Garten-Früchte,
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Nicht treffe, nicht verseng' und sonst zu Grunde richte!
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Kein Rach-Strahl stürtz und kehr', im wohlverdienten
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Grimm,
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Haus, Gärten, Bäume, Korn und andre Güter üm!

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Ach laß in dieser Noth, im Donner, Blitz und Stürmen,
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Uns deine Lieb und Macht, o Vater, doch beschirmen!
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Vor allem aber gieb, wenn die Gefahr vorbey,
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Daß so vor Schutz als Nutz Dir jeder danckbar sey!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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