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Die grüne Nacht, die in dem Baum regieret,
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Wird durch das schöne Laub erzeuget und formiret:
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Das Laub, dergleichen Laub man sonsten nirgends findet,
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Ist nah sowohl, als auch von weiten, schön
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An Grösse, Farb’ und Bildung anzusehn.
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Fast einer halben Elle lang
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Ist manches Blat; derselben Rang
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Ist frembd und sehr verwunderlich:
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Von einer Seite spannt es sich,
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In einer angenehmen Ründe,
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Gleich einem Fächtel aus. Die Untersten sind klein,
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Indem die Mittelsten die allergrösten seyn.
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Ist unten zierlich spitz, und oben zierlich breit,
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Wodurch es die Gestalt von einer Birne hat.
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Der allerschönste Tafft ist nicht so schön,
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Als solch ein Blatt, zumahl
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Jm hellen Sonnen-Strahl,
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Wenn man es recht betrachtet, anzusehn.
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Der Adern Menge, die in schönster Ordnung steht,
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Lässt recht, als wäre sie gewürcket und geneht.
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Auf eines jeden Zweiges Ecken,
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Die mit dem schönsten Laubwerck prangt,
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So wie ein grüner Busch von Federn abwärts hangt,
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Sieht man die weisse Blüth’ sich prächtig aufwerts strecken,
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Der schönsten Pyramide gleich.
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Es gehen dieser Blüth’, im schönen Bluhmen-Reich,
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An Grösse, Nettigkeit, an Farben, Form und Zier,
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Sehr wenig Bluhmen für.
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Wer dies nicht glauben will, beschau’ sie in der Nähe,
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So wird es ihm gewiß, wie mir, ergehn,
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Ich hielte sie von weiten artig, schön:
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Allein, ich stutzte recht, als ich sie nah’ erblickte,
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Und wie, mit solcher Seltenheit,
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Auch nie bisher von mir gespührter Lieblichkeit,
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Sie von Natur an Farb’ und Bildung schmückte.
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Es ist der Stiel, der sonderlich formirt,
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Mit vierzig Stengeln ausgeziert,
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Die alle, erstlich auf-hernach sich abwerts biegen,
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Und welche oberwärts allein
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Mit Bluhmen ausgezieret seyn,
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Die sie, und zwar bloß an der Spitze, decken,
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Da denn sie sich ein wenig abwerts strecken,
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Ich eine angenehme Ründe
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Dadurch formiret finde:
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Und weil die Obern etwas klein,
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Die untern Stengel länger seyn;
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Entsteht dadurch an einer jeden
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Die zierliche Figur von einer Pyramiden.
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Das Blühmgen selbst ist sonderlich formirt:
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Man sieht um sechs gekrümmten weissen Spitzen,
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Die oberwerts ein braun-roth Körbchen ziert,
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Fünf weisse Blätterchen, die unten kraus sind, sitzen,
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Und welche man nicht sonder Lust erblickt,
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Weil ihren Schooß ein schöner Purpur schmückt.
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Wer muß nicht der Natur bewunderns-werthe Künste,
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An dieser Blätter künst- und zierlichem Gespinnste,
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Mit Lust und Ehrfurcht schauen,
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Der etwan ihr Geweb einmal,
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Wie ich, einst in der Sonnen Strahl
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Mich überfiel ein heiligs Grauen,
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Als ich ein jeglichs Blatt
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Zugleich von Bläschen, welche glatt,
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Und auch von Millionen Spitzen
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Verwunderlich verbunden sah.
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Wenn man sich durch die Kunst bestrebte,
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Und ein weiß sammtenes Gewand,
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Mit feinem Silber-Draht durchwebte;
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So würde solches stoltze Augen
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So sehr kaum zu vergnügen taugen,
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Als ein zu GOTTES Ruhm beschäfftigter Verstand,
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In den so zarten Kleinigkeiten,
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So sich durch die Natur bereiten,
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Wenn er sie recht betrachtet und ergründet,
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Vergnügen in des Höchsten Allmacht findet.