IiI. Verleugnung der Welt

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Andreas Gryphius: IiI. Verleugnung der Welt (1650)

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Was frag ich nach der welt! sie wird in flaḿen stehn:
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Was acht ich reiche pracht: der Todt reißt alles hin!
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Was hilfft die wissenschafft/ der mehr denn falsche dunst:
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Der liebe Zauberwerck ist tolle Phantasie:
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Die wollust ist fürwar nichts alß ein schneller Traum;
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Die Schönheit ist wie Schnee’/ diß Leben ist der Todt.

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2. Diß alles stinckt mich an/ drumb wündsch ich mir den
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Todt!
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Weil nichts wie schön vnd starck/ wie reich es sey/ kan stehn

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Offt/ eh man leben wil/ ist schon diß Leben hin.
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Wer Schätz' vnd Reichthumb sucht: was sucht er mehr alß
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dunst.
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Wenn dem/ der Ehrenrauch entsteckt die Phantasie.
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So traumt jhm wenn er wacht/ er wacht vñ sorgt im traum.

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3. Auff meine Seel/ auf/ auf/ entwach auß diesem
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traum/
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Verwirff was jrrdisch ist/ vnd trotze Noth vnd Todt!
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Was wird dir/ wenn du wirst für jenem throne stehn/
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Die welt behülfflich seyn? wo dencken wir doch hin?
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Was blendet den verstandt? soll dieser leichte dunst
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Bezaubern mein gemüth mit solcher Phantasie?

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4. Biß her! vnd weiter nicht! verfluchte Phantasie!
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Nichts werthes Gauckelwerck. Verblendung-voller traum/
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Du schmertzen-reiche Lust du folter-hartter Todt!
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Ade! ich wil nunmehr auf freyen
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Vnd tretten was mich tratt! Ich eyle schon dahin;
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Wo nichts als warheit ist. Kein bald verschwindent dunst.

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5. Treib ewig helles Licht der dicken Nebel dunst
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Die blinde Lust der welt: die tolle Phantasie
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Die flüchtige begierd’vnd dieser gütter traum
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Hinweg vnd lehre mich recht sterben vor dem Todt.
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Laß mich die eitelkeit der Erden recht verstehn
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Entbinde mein gemüth/ vnd nimb die Ketten hin.

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6. Nimb was mich vnd die welt verkuppelt! nimb doch
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hin
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Der
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Verhüllen mein Gemütt/ vnd alle Phantasie
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Der Eitel-leren welt sey für mir alß ein traum/
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Von dem ich nun erwacht! vnd laß nach diesem tod
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Mich vnerschrocken

(Gryphius, Andreas: Teutsche Reim-Gedichte. Frankfurt (Main), 1650.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Andreas Gryphius
(16161664)

* 02.10.1616 in Głogów, † 16.07.1664 in Głogów

männlich, geb. Gryphius

natürliche Todesursache | Schlaganfall

Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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