XiI. Dominus respexit humilitatem meam

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Andreas Gryphius: XiI. Dominus respexit humilitatem meam (1650)

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Noch hab' ich den tag erlebet!
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Den so offt gewünschten tag!
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An dem der/ der oben schwebet/
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Der die
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Hat meiner schmertzen strenge macht
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Vnd seinen wehrten eydt bedacht!
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Nun hat er mir was ich begehret;
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Vom Himmel vnversehns gewehret.

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2. Alles
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Kein erretten war zu sehn/
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Mittel wahren nicht zu finden;
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Ja es war vmb
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Der vngewitter grimme noth/

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Der auff mich außgerüste todt/
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Des donners Schwefel-lichte flammen
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Die schlugen vber mir zusammen.

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3. Wie ein Schiffer bebt vnd zaget/
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Wenn die vmbgekehrte
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Sich biß an die Sterne waget/
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Vnd den grundt sprützt in die höh/
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Wenn sich das schwache Schiff fast trennt;
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Vnd vber klip auff klippen rennt;
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Wenn nun die seiten bretter knacken/
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Wenn er den Mast selbst vmb muß hacken:

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4. Wenn er West vnd Ost verlohren:
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Vnd schier keinen windt mehr kennt
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Vnd die sich auff jhn verschworen/
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Mit nicht rechten namen nennt:
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Wenn jhm die Na
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Wenn jhn das brausen überstimbt?
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Wenn er nunmehr nicht kan entgehen;
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Vnd schon den Todt siht vor sich stehen:

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5. Eben so war mir zu mute:
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Eben so war ich erstarrt:
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Ach/ dacht ich/ ist diß das gute
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Drauf ich jederzeit geharrt/
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Mein hertz erstarb/ mein mundt erblich/
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Die kraft verging/ der Geist entwich/
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Der mund erstum̃t; die Augen stunden:
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Die füße waren als gebunden.

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6. Kein trost möchte mich erquicken:
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Aller anspruch ward zur pein:
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Weil die bürd’ auff meinem rücken:
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Weil mich dieser schwere Stein/
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Biß auff die Erden niederbog:
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Vnd in den Abgrund mit sich zog.
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Nun/ dacht ich/ nun muß ich verderben:
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Hier ist nichts vbrig mehr denn sterben.

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7. Jhr besternten Himmels-bogen/
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Rief ich trawrig; gute nacht/
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Der hat mir sein licht entzogen/

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Der das licht vnd euch gemacht!
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O Erd! O schaw-platz meiner pein!
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Ade! es muß geschiden seyn/
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Ade/ jhr Hellen bäch! jhr wälder!
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Ade/ jhr blumen-reiche

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8. In diß seh’ ich meine Sonne/
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Meiner Seelen zuversicht:
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Meines matten Hertzen wonne.
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Meiner todten Augenlicht:
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Mit jhrer Güldnen stralen macht;
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Vor brechen durch die trübe nacht.
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Schaw vnverhofft ist sie erschienen.
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Der alle Seraphinen dienen.

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9. Jtzund muß was dunckel wei
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Nuhmehr legt sich sturm vnd windt.
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Seht die finsterniß erbleichen:
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Schawt doch wie mein schmertz verschwindt.
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Mein Geist wacht auff/ das Hertze springt.
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Die Seele jau
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Der Leib begint aufs new zu leben;
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Mein sinn muß Gottes trew erheben.

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10. Trew ist er/ vnd fast zu hertzen/
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Was ein weynendt Auge klagt
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Er hört/ waß/ von grimmen schmertzen
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Ein entbrandter Geist ansagt.
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Er beut vns die hülffreiche handt
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Die
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Die wis
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Vnd trennt die angst die vns vmbfangen.

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11. Die handt kan vnd mag ni
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Sie thut vberflüssig wol.
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Sie kan weg vnd mittel finden/
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Vnd weiß wenn sie helffen soll.
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Sie stützt den grossen Baw der welt:
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Vnd richtet auß was GOTT gefält.
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GoTT der die Seelen die jhn lieben/
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Vnd mich hat in die

(Gryphius, Andreas: Teutsche Reim-Gedichte. Frankfurt (Main), 1650.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Andreas Gryphius
(16161664)

* 02.10.1616 in Głogów, † 16.07.1664 in Głogów

männlich, geb. Gryphius

natürliche Todesursache | Schlaganfall

Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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