26. Der Eistanz

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Johann Gottfried Herder: 26. Der Eistanz (1773)

1
Wir schweben, wir wallen auf hallendem Meer,
2
Auf Silberkrystallen dahin und daher:
3
Der Stahl ist uns Fittig, der Himmel das Dach,
4
Die Lüfte sind heilig und schweben uns nach.
5
So gleiten wir, Brüder, mit frölichem Sinn
6
Auf eherner Tiefe das Leben dahin.

7
Wer wölbte dich oben, du goldenes Haus?
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Und legte den Boden mit Demant uns aus?
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Und gab uns den flüchtigen Funken im Stahl?
10
Zu tanzen, zu schweben im himmlischen Saal.
11
So schweben wir, Brüder, mit frölichem Sinn
12
Im himmlischen Saale das Leben dahin.

13
Da stand sie, die Sonne, in Düfte gehüllt!
14
Da rauchen die Berge, da schwebet ihr Bild!
15
Da ging sie danieder und siehe, der Mond
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Wie silbern er über und unter uns wohnt.
17
So wallen wir, Brüder, mit frölichem Sinn
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Durch Mond und durch Sonne das Leben dahin.

19
Seht auf nun, da brennen im himmlischen Meer
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Die Funken; und brennen im Frost um uns her.
21
Der oben den Himmel mit Sonnen besteckt,
22
Hats unten mit Blumen des Frostes gedeckt.
23
Wir gleiten, o Brüder, mit frölichem Sinn
24
Auf Sternengefilden das Leben dahin.

25
Er macht' uns geräumig den luftigen Saal
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Und gab uns in Nöthen die Füße von Stahl,
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Und gab uns im Froste das wärmende Herz,
28
Zu stehn auf den Fluthen, zu schweben im Scherz.
29
Wir streben, o Brüder mit ehernem Sinn,
30
Auf Fluthen und Abgrund das Leben dahin.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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