16. Billiges Unglück

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Johann Gottfried Herder: 16. Billiges Unglück (1773)

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Wem Gott das seltne Glück verlieh,
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Sich selbst sein eigner Herr zu seyn;
3
Und freut sich dieses Glückes nie,
4
Und will nur in dem falschen Schein
5
Erhabner Grossen sich erfreun:
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Der ist es werth, ihr Knecht zu seyn.

7
Wer still und glücklich leben kann,
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Wenn er ein armes Mädchen freyt;
9
Und geht des reichen Teufels Bahn
10
Am Weibe, die mit Zank und Streit
11
Ihm täglich Sonn' und Mond verleid't:
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Ists werth, daß ihn es ewig reut.

13
Wen die Natur zur Freud und Lust,
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Und zarten Liebe bildete;
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Und hängt sich an der Wollust Brust,
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Und sauget Schwachheit, Gram und Weh,
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Und alt nun noch heirathete,
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Ein junges Weib – o weh! o weh!

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Wem die Natur gesunden Leib
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Und festen Arm dazu verlieh;
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Und wählt sich nun zum Zeitvertreib
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Der hochgelahrten Doctors Müh,
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Und consultirt sie spät und früh –
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Ins Grab hin consultir' er sie.

25
So wem Gott guten Sinn verlieh,
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Und ihn verlieh ihm gar umsunst;
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Er hängt sich an der Thorheit Müh,
28
Und krüppelt um der Narren Kunst,
29
Ein grosser Mann zu seyn einmal –
30
Seys – im gelehrten Hospital.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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