8. König Ludwig

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Johann Gottfried Herder: 8. König Ludwig (1773)

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Einen König weiß ich,
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Heisset Herr Ludwig,
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Der gern Gott dienet,
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Weil ers ihm lohnet.

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Kind ward er vaterlos,
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Deß ward ihm sehr bos:
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Hervor holt' ihn Gott,
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Ihn selbst erzog.

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Gab ihm tügende
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Frone Dienende;
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Stuhl hier in Franken:
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Brauch er ihn lange!

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Den theilt er dann
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Mit Karlomann,
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Dem Bruder sein,
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Ohn allen Wahn.

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Das war geendet,
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Da wollt Gott prüfen:
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Ob er Arbeiten
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Auch mochte leiden?

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Ließ der Heidenmänner
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Ueber sie kommen;
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Ließ seine Franken
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Den Heiden dienen.

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Die giengen verloren!
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Die wurden erkoren!
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Der ward verschmähet,
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Der ihnen mißlebt.

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Wer da ein Dieb was,
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Der deß genaß,
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Nahm seine Festung,
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Seit war er Gutmann

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Der war ein Lügner,
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Der war ein Räuber,
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Der ein Verräther:
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Und er geberdt sich deß.

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König war gerühret,
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Das Reich verwirret,
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Erzürnt war Christ,
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Litt dies Entgeltniß.

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Da erbarmt es Gott,
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Der wust all die Noth,
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Hieß Herr Ludwig
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Eilig herbeiziehn.

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»ludwig, König mein,
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Hilf meinen Leuten!
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Es haben sie Normannen
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Harte bezwungen.«

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Dann sprach Ludwig:
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»herr! so thu ich.
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Tod nicht rette mir es,
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Was du gebietest.«

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Da nahm er Gotts Urlaub,
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Hob die Kundfahn auf:
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Reitet in Franken
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Entgegen den Normannen.

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Gotte dankend,
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Diesem harrend,
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Sprach: »O Herr mein,
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Lange harren wir dein.«

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Sprach dann mit Muthe,
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Ludwig der Gute:
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»tröstet euch, Gesellen,
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Die mir in Noth stehn.

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Her sandte mich Gott!
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Thät mir selbst die Gnad,
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Ob ihr mir Rath thut,
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Daß ich euch führe.

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Mich selbst nicht spar' ich,
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Bis ich befrei euch:
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Nu will ich, daß mir folgen
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All Gottes Holden.

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Beschert ist uns die Hierfrist,
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So lang es will Christ.
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Er wartet unser Gebein,
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Wacht selbst darein.

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Wer nun Gottes Willen
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Eilig will erfüllen;
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Kommt er gesund aus,
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Lohn ich ihm das;
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Bleibet er drinne,
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Lohn ichs den Seinen.«

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Da nahm er Schild und Speer,
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Ritt eilig daher,
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Wollt wahrlich rächen
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Seine Widersacher.

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Das war nicht lange,
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Fand er die Normannen:
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Gottlob! rief er,
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Seinen Wunsch sah er.

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Der König reitet kühn,
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Sang lautes Lied,
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Und alle sungen:
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Kyrie Eleison.

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Sang war gesungen,
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Schlacht ward begonnen,
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Blut schien in den Wangen,
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Spielender Franken.
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Da rächt jeder sich.
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Keiner wie Ludwig.

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Schnell und kühn,
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War je sein Sinn.
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Jenen durchschlug er,
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Diesen durchstach er,

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Schenkte zu Handen
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Seinen Feinden
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Trank bittern Leides,
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So wichen sie Leibes.

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Gelobt sey Gottes Kraft!
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Ludwig ward sieghaft.
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Sagt allen Heiligen Dank!
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Sein ward der Siegkampf.

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O wie ward Ludwig
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König so selig!
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Hurtig er war,
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Schwer, wie es noth war!
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Erhalt ihn, Herr Gott!
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Bei seinen Rechten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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