7. Die Chevy-Jagd

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Johann Gottfried Herder: 7. Die Chevy-Jagd (1773)

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Der Percy aus Northumberland
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Einen Schwur zu Gott thät er,
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Zu jagen auf Chyviaths Bergen,
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Drei Tag' lang rings umher,
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Zum Trutz dem Ritter Duglas,
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Und wer je mit ihm wär.

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Die fettsten Hirsch' in ganz Chiviat
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Sprach, wollt er schiessen und führen ihm weg: –
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Mein' Treu! sprach Ritter Duglas,
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Ich will ihm weisen den Weg.

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Der Percy dann aus Banbrow kam,
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Mit ihm eine mächtge Schaar:
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Wohl funfzehnhundert Schützen kühn
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Aus drei Bezirken dar.

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Es begann am Montag' Morgen,
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Auf Chiviats Hügeln hoch:
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Das Kind wehklags, noch ungebohrn!
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Es ward sehr jammrig noch.

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Die Treiber trieben durch den Wald,
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Zu regen auf das Thier:
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Die Schützen bogen nieder sich
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Mit breiten Bogen Klirr.

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Dann das Wild strich durch den Wald
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Dorther und da und hier:
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Grauhunde spürten in Busch und Baum,
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Zu springen an das Thier.

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Es began[n] auf Chiviats Bergen,
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Am Montag Morgens früh:
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Da's Eine Stund' Nachmittag war,
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Hatten hundert Hirsche sie.

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Sie bliesen Tod aufm Feld umher,
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Sie trugen zusammen schier:
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Zur Niederlag' der Percy kam,
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Sah das erlegte Thier.

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Er sprach: »es war des Duglas Wort,
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Mich heut zu sprechen hier;
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Doch wust ich wohl (und schwur zu Gott)
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Er würd' nicht kommen mir.«

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Ein Squire dann aus Northumberland
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Zuletzt er ward gewahr,
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Der Ritter Duglas zog heran,
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Mit ihm ein' grosse Schaar.

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Mit Hellepart und Speer und Schwerd:
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Zu schauen weit und breit;
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Wohl kühnre Leut' von Herz und Hand
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Hat nicht die Christenheit.

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Wohl zwanzighundert Speeresleut',
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Ohn eingen Fleck und Fehl;
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Sie waren gebohren längs der Twid',
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Im Zirk von Tiwidähl.

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»laßt ab vom Thier, der Percy sprach,
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Nehmt eurer Bogen wahr:
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Nie hattet ihr, wie jetzt, sie noth;
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Seit euch die Mutter gebahr.«

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Der feste Duglas auf dem Roß,
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Ritt seinem Heer voran:
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Seine Rüstung glänzt, wie glühend Erz,
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Nie gabs einen bravern Mann.

59
»sagt, sprach er, was für Leut' ihr seid?
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Oder wessen Leut' seid ihr?
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Wer gab euch Macht, zu jagen,
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In meinem Revier allhier?«

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Der Erste Mann, der Antwort gab,
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War Percy hastig schier:
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»wir wollen nicht sagen, wer wir sind?
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Oder wessen Leute wir?
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Aber jagen wollen wir hier im Forst,
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Zu Trotz den Deinen und dir.

69
Die fettsten Hirsch' in ganz Chiviat
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Haben wir geschossen und führen sie weg!«
71
»mein' Treu, sprach Ritter Duglas,
72
Ich will euch weisen den Weg.«

73
Dann sprach der edle Duglas
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Zum Lord Percy sprach er:
75
»zu tödten diese unschuldge Leut',
76
Das wär ja Sünde schwer.

77
Aber Percy, du bist ein Lord von Land,
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Und ich vom Stande dein:
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Laß unsre Leut beiseit hier stehn,
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Und wir zwei fechten allein.«

81
»nun straf mich Gott! der Percy sprach,
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Wer dazu Nein! je sag'!
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Mein Seel', du wackrer Duglas,
84
Sollt nie erleben den Tag.

85
In England, Schottland, Frankreich
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Hat keinen ein Weib gebohrn;
87
Dem, helf mir Gott und gutes Glück!
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Ich nicht gleich trete vorn.«

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Ein Squire dann aus Northumberland,
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Withrington war sein Nam,
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Sprach: »soll mans in Südengland sag'n
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König Heinrich an mit Scham?

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Ihr zwei seid reiche Lords und ich
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Ein armer Squire im Land;
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Und soll meinen Herrn da fechten sehn,
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Und stehn voll Scham und Schand?
97
Nein, traun, so lang ich Waffen trag'
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Soll fehlen nicht Herz und Hand.«

99
Den Tag, den Tag, den grausen Tag,
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Es ward noch blutig sehr;
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Aus ist mein erster Sang hier,
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Und bald sing' ich euch mehr.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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