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Ueber Gravo fiel der Bascha Mustaj,
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Und ringsum die hohe Mauer sanken
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Viel von seinen Edeln. Als die Türken
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Abends nun im Hause des Nikolo,
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Des Gebieters über Gravo assen,
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Baten sie um frisches Wasser. Niemand
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War der Sprache kundig, als die schöne
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Tochter des Nikolo, und zur Mutter
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Rief sie: liebe Mutter, auf die Füsse!
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Frisches Wasser fodern diese Türken.
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Stand die Mutter auf und brachte Wasser.
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Alle tranken, doch der Jüngling Muza
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Trank nicht; bittend sprach er zu der Mutter:
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»edle Frau, der Himmel sey euch günstig!
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Aber gebt, o gebt mir eure Tochter
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Zur getreuen Gattin.« »Scherze nicht so,
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Spricht die Mutter, du des Bascha Krieger,
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Lang vermählet ist schon meine Tochter
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An Zikolo, an des stolzen Janko
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Neffen. Er gab ihr von rother Seide
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Drei gar aus der Maassen schöne Kleider,
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Und von feinem Golde drei Agraffen,
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Und drei Diamanten, also prächtig,
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Daß an ihrem Glanz man Abends speisen
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Und in Mitternacht, als wär es Mittag,
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Zehen Pferd' behufen könnte. Also
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Ist für dich, o Krieger, nicht das Mädchen.«
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Traurig saß auf dieses Wort der Jüngling,
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Sprach nicht mehr und schloß die Nacht kein Auge,
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Und nach langer Nacht bei Tages Anbruch
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Sprang er auf, auf seine wackern Füsse,
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Ging zum Zelt des Bascha und mit tiefen
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Worten sprach er also: Hoher Bascha,
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Unter allen Schönen, die dein weites
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Land dir zollet, ist von Himmelsschönheit
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Hier ein Mädchen, unsrer Sprache kundig,
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Tochter des Nikolo, Herrn von Gravo.
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Und der Bascha ließ den Grafen rufen,
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Sprach vertraulich zu ihm: »ist es Wahrheit,
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Was die Rede saget? deine Tochter
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Sey so schön und lieblich aus der Maassen?
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Wolltest du sie mir zur Gattin geben?«
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Unverändert sprach der edle Vater:
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»schön ist meine Tochter, hold und lieblich;
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Aber längst ist sie zur Braut vermählet.
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Zekulo, des stolzen Janko Neffe,
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Gab von rother Seide ihr drei Kleider,
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Und von feinem Golde drei Agraffen,
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Freundlich: »Auf wohlauf denn, Freund Nikolo,
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Laß das schöne Mädchen und den Bräutgam
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Zu mir kommen, daß es sich entdecke,
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Wen von beiden sie sich wähle?«
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Ueberfiel den Grafen bei der Rede.
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Kaum zu Hause, sendet er ein weisses
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Blatt an Zekulo, des Woiwods Neffen:
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»jüngling Zekulo, der Bascha sucht dir
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Deine schöne Braut zu rauben. Eile!
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Komm zu meinem Hofe und wir gehen
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Beide zu dem Zelt des Bascha. Morgen
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Soll das Mädchen sagen, wen sie wähle?«
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Kaum das Blatt gelesen, legt der Jüngling
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Auf sein allerschnellstes Roß den Sattel,
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Nimmt mit sich dreihundert der Vasallen,
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Kommen noch den Abend spät zum Grafen.
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Kaum vorbei die Nacht und Morgenanbruch,
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Gehen Braut und Bräutigam zum Bascha,
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Treten vor ihn, und mit süssen Worten
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Spricht der Türke zu dem Mädchen: »Wähle,
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Schönes Mädchen, mit wem willt du ziehen?
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Ziehn mit Zekulo? wie oder Gattin
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(also hatt' die Mutter sie gelehret)
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Schnell erwiedert sie: »auf grünem Grase
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Will, o Herr, ich lieber mit dir stehen,
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Als mit Zekulo auf rother Seide.«
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Zekulo im Zorn erhob die Stimme:
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»ist das deine Treue, deine Seele,
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Die du mir bei deinem Gott geschworen!
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Schnell, Untreue, gib die Goldgeschenke
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Mir zurück und geh, zu wem du wollest.
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Recke aus die Hand.« Betrogen reckte
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Sie sie aus, zu geben die Geschenke;
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Aber eine böse Schlange stach sie.
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Zekulo mit seinem scharfen Säbel
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Hieb ihr ab die rechte Hand der Untreu.
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Sprach zum Bascha: »Herr es ist dein Glück noch!
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Diese rechte Hand war mir gegeben,
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Nimm den Rest nun, jeder hat das Seine.«
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Knirschend rief der Bascha: »kühner Jüngling,
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Und das wagst du hier in meinem Divan?
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Bist du tapfer wie du keck bist, Jüngling,
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Aus, hinaus zum Zweikampf!« Und der Jüngling
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Nahm mit Freuden an den Zweikampf. Beide
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Reiten mit Gefolge auf die Ebne;
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Doch das Schicksal war dem Bascha widrig,
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Und der Jüngling mit dem scharfen Säbel,
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Spaltet Mann und Sattel. So gerieth dir
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Deine Untreu, schlechtbetrognes Mädchen.