22. Fabellied

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Johann Gottfried Herder: 22. Fabellied (1773)

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Einmal in einem tiefen Thal
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Der Kukuk und die Nachtigal
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Eine Wett' thäten anschlagen,
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Zu singen um das Meisterstück:
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Wers gewönn' aus Kunst oder aus Glück;
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Dank sollt' er davon tragen.

7
Der Kukuk sprach: »so dirs gefällt,
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Hab der Sach einen Richter erwählt.«
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Und thät den Esel nennen.
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»denn weil der hat zwei Ohren groß,
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So kann er hören desto baß
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Und was recht ist, erkennen!«

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Als ihm die Sach nun ward erzählt,
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Und er zu richten hat Gewalt,
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Schuf er: sie sollen singen!
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Die Nachtigal sang lieblich aus:
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Der Esel sprach: »du machst mirs kraus;
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Ich kanns in Kopf nicht bringen.«

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Der Kukuk fing auch an und sang,
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Wie er denn pflegt zu singen:
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Kukuk, Kukuk! lacht fein darein,
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Das gefiel dem Esel im Sinne sein,
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Er sprach: »in allen Rechten
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Will ich ein Urtheil sprechen.

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Hast wohl gesungen, Nachtigal!
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Aber Kukuk singt gut Choral,
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Und hält den Tackt fein innen.
28
Das sprech ich nach meinem hohen Verstand,
29
Und ob es gölt ein ganzes Land,
30
So laß ichs dich gewinnen.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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