23. Herz und Auge

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Johann Gottfried Herder: 23. Herz und Auge (1773)

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Wer noch nicht die böse Zwietracht
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Zwischen Herz und Auge kennt,
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Weiß noch nicht, warum so thöricht
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Oft er weinet, oft er brennt.

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Klagend spricht das Herz zum Auge:
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Du bist Schuld an meiner Pein,
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Du, die Wächterin der Pforte,
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Lockest selbst den Feind hinein.

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Du, der Bote süssen Todes,
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Bringst hinein mir alles Weh;
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Ach und wäschest deine Sünde
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Nicht mit einer Thränensee.

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Ach und kann dich aus nicht reissen!
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Bis mich selbst die Hölle trift –
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Auch in meine frömmsten Freuden,
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In die Reue mengst du Gift.

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Auge spricht zum Herzen wieder!
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Deine Klag' ist ungerecht.
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Bin ich nicht wie alle Glieder,
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Du die Fürstin, ich der Knecht?

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Bracht ich je dir süsses Leiden,
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Ohne daß du mich gesandt?
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War ich je des Feindes Freundin,
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Ohne Winke deiner Hand?

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Schloß ich nicht, wo du befahlest,
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Mich dem liebsten Raube zu?
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Ließ ich nicht zu tausendmalen
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Dir und du mir nimmer Ruh?

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Aus dem Herzen keimt die Sünde;
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Auge bringt sie nicht hinein,
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Du vergiftest meine Blicke,
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Du bist Schuld an deiner Pein.

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Also streiten sie und beide
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Sündigen in ihrem Streit.
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Herz, du bist des Bösen Quelle
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Auge, die Gelegenheit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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