16. Lied der Freundschaft

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Johann Gottfried Herder: 16. Lied der Freundschaft (1773)

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Der Mensch hat nichts so eigen,
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So wohl steht nichts ihm an,
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Als daß er Treu erzeigen,
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Und Freundschart halten kann,
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Wann er mit seines gleichen
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Soll treten in ein Band:
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Verspricht sich nicht zu weichen
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Mit Herzen, Mund und Hand.

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Die Red' ist uns gegeben,
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Damit wir nicht allem
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Für uns nur sollen leben,
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Und fern von Menschen seyn;
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Wir sollen uns befragen
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Und sehn auf guten Rath,
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Das Leid einander klagen,
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So uns betreten hat.

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Was kann die Freude machen,
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Die Einsamkeit verheelt?
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Das gibt ein doppelt Lachen
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Was Freunden wird erzehit.
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Der kann sein Leid vergessen,
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Der es von Herzen sagt:
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Der muß sich täglich fressen,
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Der in geheim sich nagt.

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Gott stehet mir vor allen,
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Die meine Seele liebt:
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Dann soll mir auch gefallen,
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Der mir sich herzlich gibt.
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Mit diesen Bundsgesellen
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Verlach ich Pein und Noth,
31
Geh auf den Grund der Höllen,
32
Und breche durch den Tod.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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