19. Der Sächsische Prinzenraub

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Gottfried Herder: 19. Der Sächsische Prinzenraub (1773)

1
Wir woll'n ein Liedel heben an,
2
Was sich hat angespunnen,
3
Wie's im Pleißnerland gar schlecht war b'stallt,
4
Als den jungen Fürst'n geschah Gewalt,
5
Durch Kunzen von Kauffungen,
6
Ja Kauffungen!

7
Der Adler hat uf'n Fels gebaut
8
Ein schönes Nest mit Jungen;
9
Und wie er einst war g'flogen aus,
10
Holt ein Geyr die Jungen heraus,
11
Drauf ward's Nest leer gefungen,
12
Ja gefungen!

13
Wo der Geyer auf'm Dache sizt,
14
Da deihen die Küchlein selten,
15
's war Werl! ein seltsam Narrenspiel.
16
Welch'r Fürst sein'n Räthen getraut so viel,
17
Muß oft der Herr selbst entgelten,
18
Ja entgelten!

19
Altenborg, du feine Stadt,
20
Dich thät er mit Untreu meinen,
21
Da in dir war'n all' Hofleut voll,
22
Kam Kunz mit Leitern und Buben toll,
23
Und holt die Fürsten so kleine,
24
Ja so kleine!

25
Was blaßt dich, Kunz, für Unlust an,
26
Daß du ins Schloß 'nein steigest?
27
Und stielst die zarten Herren heraus,
28
Als der Kurfürst eben nit war zu Haus,
29
Die zarten Fürstenzweige,
30
Ja Fürstenzweige!

31
Es war wohl als ein Wunderding,
32
Wie sich das Land beweget.
33
Was da uf'n Strassen waren für Leut,
34
Die den Räubern folgten nach in Zeit,
35
All's wibbelt, kribbelt, sich beweget,
36
Ja beweget!

37
Im Walde dort ward Kunz ertappt,
38
Da wollt he Beeren naschen,
39
Wär he in der Hast facken fortgeretten,
40
Daß 'm die Köhler nit geleppischt hetten,
41
Hätt he sie kunnt verpaschen,
42
Ja verpaschen!

43
Ab'r sie worden ihm wed'r abgejagt,
44
Und Kunz mit sinen Gesellen
45
Uf Grünhain in unsers Herrn Abts Gewalt
46
Gebracht, und darnach uf Zwicka gestallt,
47
Und musten sich lahn prellen,
48
Ja lahn prellen!

49
Darvor fiel ab gar mancher Kopf,
50
Und keiner, der gefangen,
51
Kam aus der Haft ganzbeinicht davon,
52
Schwert, Rad, Zang'n, Strick, die war'n ihr Lohn,
53
Man sah die Rümper hangen,
54
Ja hangen!

55
So gehts, wer wider die Obrigkeit
56
Sich unbesonnen empöret,
57
Wer's nicht meint, schau an Kunzen,
58
Syn Kop thut z' Freiberg noch 'runter schmunzen,
59
Und jed'rmann davon lehret,
60
Ja lehret!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.