6. Lied des gefangenen Asbiorn Prude

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Johann Gottfried Herder: 6. Lied des gefangenen Asbiorn Prude (1773)

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Sagets meiner Mutter:
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Sie wird den Sommer heurig
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Ihr's Sohnes Haar nicht kämmen.
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Svanhid' im schönen Dännmark,
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Ich hatts ihr zugesaget,
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Zu ihr bald heimzukommen, –
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Nun seh' ich, wird das Schwert wohl
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Die Seite mir durchboren.

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Anders war's dort drüben!
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Bier sassen wir trinken,
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Fuhren mit Freuden
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Die Furt nach Hordland,
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Meeth wir tranken, schwazten;
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Lachten viel beisammen. –
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Nun lieg' ich beklommen
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In der engen Riesenkluft hier.

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Anders war's dort drüben!
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Da wir all beisammen waren,
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Fuhren prächtig, vorne
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Storolfs Sohn vor allen,
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Landte mit den langen
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Schiffen im Oresunde. –
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Nun muß ich hier schändlich
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Die Riesenstätte schauen.

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Anders war's dort drüben!
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Orm, im Schlachtensturme,
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Strömt den durstigen Raben
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Manches reiche Mahl.
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Manche wackre Männer
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Gab er den gier'gen Wölfen,
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Treflich an der Ifa
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Traf er Todeshieb.

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Anders war's dort drüben!
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Da auch ich, mit scharfem Schwerte,
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Warm von harten Hieben,
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Männerhaufen mäht'.
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's war am Elfers Eiland
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Entgegen dem schwülen Mittag,
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Orm hagelt herrlich
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Pfeil' auf die Räuber,
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Auf die er traf.

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Anders war's dort drüben!
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War'n alle noch bei'nander,
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Gaut'r und Geiri,
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Glum'r und Stari,
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Sam'r und Seming'r,
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Oddvarars Söhne,
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Haukr und Hoki,
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Hroko (lies: Hrokr) und Tocki.

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Anders war's dort drüben!
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Da wir oft zusammen schifften,
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Hrani und Hogei (lies: Hogni),
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Hialmr und Stafnir,
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Grani und Gunnar,
55
Grimr und Sorkvir,
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Tumi, Torfvi,
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Teite (lies: Teitr) und Geitir.

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Anders war's dort drüben!
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Selten wirs ausschlugen
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Uns zu schlagen; selten
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Rieth ich's ab, mit Schwerte
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Scharfes Schwert zu sprechen.
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Doch Orm war immer
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Unser der Erste.

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Wüste Orm
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Hier meine Qualen;
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Die Stirne falten
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Würd' er grimmig,
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Dem gräulichen Riesen
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Wie er's verdient –
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Dreifach zahlen.
72
Ha, wenn ers könnt'!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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