20. Gazul und Zaida

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Johann Gottfried Herder: 20. Gazul und Zaida (1773)

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Reich gezieret mit Geschenken
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Seiner schönen Lindaraja
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Reiset ab der tapfre Gazul,
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Geht nach Gelves zum Turniere.

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Mit sich führet er vier Pferde,
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Reich bedeckt mit goldnen Decken,
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Wo sich tausendmal der Name
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Benceraja schlingt in Golde.

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Violet und weiß und blaulich
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Sind des Mohren Ritterkleider:
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Gleichgefärbt die Federbüsche
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Und die Vorderfeder röthlich.

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Alles köstlich theures Stickwerk
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Feinen Goldes, feinen Silbers:
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Gold gesezt aufs Violette,
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Auf das Rothe Silberschmelzen.

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Und sein Sinnbild war ein Wilder
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Mitten da auf seiner Tartsche,
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Der zerreisset einen Löwen,
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Und dabei die Ehreninschrift,

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Die die edlen Bencerajen,
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Sie die Blüthe von Granada,
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Alle führten, jeder kannte,
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Jeder ehrete und liebte,

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Die nun führt der tapfre Gazul
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Auch aus Liebe seiner Dame,
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Die auch eine Benceraja
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Jezt er über alles liebet.

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So gerüstet trat der tapfre
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Gazul auf den Plaz von Gelves,
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Führet einen Zug von dreißig,
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Alle gleich und schön gekleidet.

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Wer sie schauet, der bewundert,
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Alle führen gleiches Sinnbild,
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Gleiche Inschrift, nur der Eine
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Gazul führt die Seine sonders.

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Unterm Schall der hellen Zinken
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Fänget an das Lanzenwerfen,
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Wird so warm und so verwirret,
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Daß es eine Schlacht erscheinet.

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Aber Gazuls tapfre Rotte
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Trägt in allem Dank und Ehre.
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Keine Lanze schleudert Gazul,
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Die nicht eine Tartsche treffe.

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Von Balconen und von Fenstern
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Schauen zu die Mohrendamen.
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Unter ihnen auch die schöne
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Mohrin Zaida, die aus Xeres;

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Aber jezo falb gekleidet,
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Falb um ihrer Trauer willen:
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Denn ihr hat der tapfre Gazul
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Ihren Bräutigam getödtet.

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Wohl erkennt sie ihren Gazul,
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Kennet ihn am Wurf der Lanze,
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Denket an verfloßne Zeiten,
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Da einst Gazul ihr noch diente,

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Und sie ihn so übel ansah,
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So undankbar seinem Dienste!
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Und je stärker er sie liebte,
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Immer nur noch undankbarer.

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Dieses kränkt sie jezt im Herzen
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Schmerzlich, sinkt in Ohnmacht nieder;
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Endlich da sie wieder zu sich
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Kommet, spricht ihr Mädchen also:

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»edles Fräulein, was, was ist dir?
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Was bedeutet diese Ohnmacht?«
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Zaida mit gebrochner Stimme
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Krank und traurig ihr erwiedert:

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Kennst du denn nicht jenen Mohren,
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Der jezt eben seine Lanze
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Hebet? Gazul ist sein Name,
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Und sein Ruhm ist allenthalben.

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Sechs Jahr hat er mir gedienet,
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Und ich lohnt ihn so undankbar.
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Meinen Bräutgam mir getödtet,
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Und auch das hab ich verschuldet.

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Und ich lieb' ihn mit dem Allen,
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Halt ihn tief in meiner Seele.
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Glücklich, als er mich noch liebte,
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Aber jezt bin ich ihm nichts mehr.

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Er liebt eine Benceraja,
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Und ich lebe ihm verachtet. –
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Also klagte sie, indessen
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Ging das Spiel und Fest zu Ende.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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