16. König Hako's Todesgesang

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Johann Gottfried Herder: 16. König Hako's Todesgesang (1773)

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Gaundul und Skogul
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Sandte Gott Thor,
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Zu kiesen einen König
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Aus Ynguas Stamm,
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Der sollt zum Odin
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Fahren hinauf,
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Zu wohnen in Wallhall'!

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Biärners Bruder
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Fanden sie, sich
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In Panzer kleiden;
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Der edle König,
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Er eilt ins Feld,
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Wo Feinde gefallen,
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Und Schwerter noch klungen
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Im Beginn der Schlacht.

16
Er rief Haleyger,
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Er rief Halmeyger,
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Der Heldentödter,
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Und zog hinan.
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Normannen Heere
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Waren um ihn.
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Der Jüten Veröder
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Stand unter Helm.

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Der Mühlsteinspalter
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In Königs Hand,
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Als spaltet' er Wasser,
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Spaltet er Erz!
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Die Spizen stiessen,
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Die Schilde brachen!
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Auf Männerschädeln
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Erklang der Stahl!

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Tyrs und Baugas
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Schwerter sprangen
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Auf den harten Schädeln
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Der Normannsfechter.
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Die Schlacht ergoß sich,
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Die Schilde brachen
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Von der Hand der Helden,
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Oder wurden blutroth.

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Blize flammten
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In blutende Wunden;
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Schilde bargen
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Der Männer Leben;
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Von fallenden Leibern
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Tönt das Land;
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An Storda's Ufer
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Blutmeer floß.

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Blutige Wunden
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Und Schwertwolkhimmel
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Flossen in Ein!
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Als gält's um Ringe,
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Spielten sie Schlacht.
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Im Windsturm Odins
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Blutstrom floß.
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Männer stürzten
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Vor'm strömenden Schwert.

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Die Könige sassen
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Mit Schwertern umzogen,
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Schilde zerbrochen,
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Panzer durchbohrt.
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Noch aber dachte
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Nicht das Heer
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Nach Walhalla zu wandern. – –

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Gaundul sprach
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Gestüzt aufs Schwert:
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»groß wird jezt werden
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Der Götter Versammlung.
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Sie haben den König
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Zum Mahle geladen,
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Und all sein Heer!«

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Der König hört
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Der Wählerinnen,
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Der schönen Jungfraun
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Auf hohen Rossen,
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Schicksalswort!
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Nachsinnend standen
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Im Helme sie da;
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Sie standen gelehnet
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Auf Schwertes Schaft!

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»was theilst, sprach Hako,
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Du Schwertesgöttin,
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Die Schlacht also?
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Sind wir von Göttern
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Des Siegs nicht werth?«
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»wir sind's, sprach Skogul,
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Die Sieg dir bringen!
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Sollst Feld behalten,
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Und die Feinde fliehn.

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Wohl auf nun reiten,
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Zusammen reiten
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Ueber grüne Haiden,
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Der Götter Welt.
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Dem Odin sagen,
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Ein Volksgebieter
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Zu schau'n ihn kommt
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Und mit ihm wohnen!« –

97
»hermoder und Braga,
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Sprach Odin, geht
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Dem König' entgegen!
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Es kommt ein König,
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Ein Held im Ruhme
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Zu unsrer Hall!«

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Der König sprach
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(aus der Schlacht gekehrt
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Trof er von Blut),
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Sprach: »unhold scheint
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Gott Odin uns!
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Unserm Beginnen
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Lächelt er nicht!«

110
»sollt mit den Helden
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Dich in Walhalla
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In Friede freun;
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Sollt mit den Göttern
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Da trinken Oel.
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Hast droben schon
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Acht Heldenbrüder,
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Die harren deiner
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O Fürstenfeind!«
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Braga sprachs.

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»wir aber wollen
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Die Waffen bewahren;
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Helm und Panzer
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Bewahren, ist gut!
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Das Schwert bewahren
125
Nüzet oft viel.«

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So sprach der König!
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Und ward nun kund,
128
Wie heilig der Gute
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Die Götter geehrt;
130
Die Götter alle
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Willkommen ihn hiessen,
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Den guten König,
133
Und standen auf!

134
Am Glückestage
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Ist der gebohren,
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Der das erwirbt!
137
Der Ruhm wird bleiben
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Von seiner Zeit,
139
Von seinem Herrschen,
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Und werden Gesang!

141
Eh wird Wolf Fenris
142
(die Ketten zerrissen)
143
Menschen würgen,
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Eh solch ein König
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Wird wieder füllen
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Die öde Spur.

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Es sterben Heerden,
148
Es sterben Freunde,
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Das Land wird wüste,
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Seit König Hako
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Bei den Göttern wohnt.
152
Und viele Menschen
153
Trauren um ihn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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