14. Heinrich und Kathrine

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Johann Gottfried Herder: 14. Heinrich und Kathrine (1773)

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Vor Zeiten war in Engelland
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Lord Heinrich Weltgepriesen;
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Kein Ritter, der mehr Heldenthum
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Und Freudigkeit bewiesen.
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Nach Ruhm hinan ging stets sein Sinn,
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Von Liebe nicht verführet;
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Das schönste Fräulein hatte nie
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Sein männlich Herz gerühret.

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Wohin in aller Schönen Kreis
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Kathrine trat, trat Wonne,
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Blüht' auf, als wie die Rose süß,
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Ging auf, als wie die Sonne.
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Ob immer war ihr Stand gering,
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Gewann doch sie nur Herzen;
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Kein Jüngling sahe sie und sank
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Nicht schon in Liebesschmerzen.

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Doch bald verlor ihr Auge Schein
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Und Klarheit. Ihre Wangen
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Erblaßten. Ihrem Angesicht
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War aller Reiz entgangen.
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Sie siechte lang und nie vertraut
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Sie Jemand ihren Kummer;
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In Thränen floß ihr Tag dahin,
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Die Nacht in kurzem Schlummer.

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Einmal im Traume rief sie laut:
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»ach Heinrich, sieh mich leiden!
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O hart Geschick! ich armes Kind
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Muß liebeschmachtend scheiden.
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Doch ach – ein armes Mädchen muß
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Muß Wahrheit schon verstecken.
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Viel lieber todt zehntausendmal,
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Als meine Lieb' entdecken!

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Das hört die treue Wächterin;
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Sie eilt zum jungen Helden,
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»ach, Herr! nun kann ich dir die Noth
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Der kranken Freundin melden.
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Ein Traum, ein Traum hat's offenbart,
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Was sie so tief betrübet.
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Ach! Katharine liegt und stirbt,
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Stirbt nun – weil sie – dich liebet.«

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Das traf des edlen Heinrichs Herz;
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Schnell schlug es auf in Flammen!
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»ach armes unglückseligs Kind! –
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Doch wer kann mich verdammen?
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Wust' ich, zu zu Bescheidene,
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Was dir den Tod bereite?
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Wohlan ich komm'!« Und wie der Wind
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Flog er an ihre Seite.

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»erwach, erwach Holdselige!
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Erwache, meine Schöne!
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Ach hätte mirs geahndet je –
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Nicht Eine, Eine Thräne
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Hättst du verweinet – Heinrich ruft!
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Mistraue nicht, erwarme!
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Blüh auf, wach auf, vom Tode. Komm
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Zurück in meine Arme!«

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Da kam die Holdentschlafne noch
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Einmal zurück ins Leben.
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Hub matt ihr Haupt und lächelt sanft
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Und wirft mit Freudebeben
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Um ihren Langgeliebten sich
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Entzückungsvoll! umfaßte
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Den Jüngling. »Liebst du? liebst mich? mich?« –
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Sank nieder und erblaßte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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