11. Zaida's traurige Hochzeit

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Johann Gottfried Herder: 11. Zaida's traurige Hochzeit (1773)

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Auf ging schon der Stern des Abends,
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Und die Sonne ging danieder,
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Und die Nacht, des Tages Feindin,
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Kam mit ihrem schwarzen Mantel:

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Da ging aus mit ihr ein tapfrer
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Mohr, der glich dem Rodomonte,
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Aus Sidonja ging er zornig,
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Eilt die Veja hin nach Xeres.

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Voll Verzweiflung er da eilet,
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Denn, troz seines edlen Stammes,
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Hat ihn seine Braut verlassen,
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Weil er ihr zu arm gedünket.

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Und in dieser Nacht vermählet
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Sie sich einem schlechten Mohren,
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Weil er reich und in Sevilla
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War Alcaide von Alcazar.

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Schwere Seufzer aus dem Herzen
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Thut er, über solch ein Unrecht:
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Das ringsum die Veja tönet,
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Und die Echo mit ihm klaget:

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Zaida sprich, o du, ergrimmter
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Als das Meer, das Schiffe schlinget!
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Härter du und unerbittlich,
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Wie des Felsens Eingeweide.

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Wie? Grausame, kannst du dulden,
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Nach so viel erzeigter Liebe,
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Daß mit Pfändern, die ja mein sind,
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Sich ein Fremder damit zieret?

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Ist es möglich, daß du Liebe
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Annimmst von der rauhen Eiche,
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Und läßst dein geliebtes Bäumchen
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Stehen sonder Frucht und Blüthe.

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Du verlässest einen Armen,
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Der wohl reich ist, und erwählest
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Einen Reichen, ha, wie dürftig!
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Wenn du Seelenreichthum kenntest.

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Du verlässest deinen edlen
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Gazul und sechs Jahre Liebe;
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Gibst die Hand dem Albenzaid,
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Den du ja noch kaum erkennest!

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Nun so geb' es Alla! Feindin,
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Daß er dich, wenn du ihn liebest,
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Tief verabscheu und du weinen,
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Eifersüchtig müssest seufzen!

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Daß im Bette du ihm Eckel,
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Ihm am Tisch Verdruß erweckest,
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Daß zu Nacht du keinen Schlummer,
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Tages keine Ruhe kennest.

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Daß bei Tänzen und bei Festen
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Nie du deine Farben sehest!
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Nicht den Schleier den du nähtest,
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Nicht den Ermel, den du sticktest.

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Daß er den von seiner Bule,
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Und mit ihres Namens Zuge,
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Dir vor Augen trag', in Spielen
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Dir auch zuzuschaun nicht gönne.

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Nicht an Fenster, nicht an Pforte;
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Damit dichs nur tiefer schmerze.
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Und so haß ihn bis zum Tode,
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Und genieß ihn viele Jahre,

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Oder liebst du ihn, so müssest
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Plözlich du ihn todt erblicken. –
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Das ist doch wol alles Unglück,
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So dir Männer wünschen können.
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Das, geb Alla, müss' dich treffen
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Stracks wenn du die Hand ihm reichest.

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Mit den Flüchen, mit den Schwüren,
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Kam er Mitternachts nach Xeres.
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Fand den Pallast überdecket
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Mit Geschrei und hellen Lichtern.

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Und schon machten viele Diener
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Plaz zum Zuge, liefen alle
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Hie und da mit hellen Fackeln,
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Alle reich in Livereien.

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Dicht gerade vor den Bräutgam
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Sezte Gazul sich in Bügel.
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Mächtig stieß er seine Lanze,
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Stieß die Brust ihm durch und durch.

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Und der Plaz wird voller Aufruhr,
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Und der Mohr zieht seinen Säbel,
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Bahnet Weg sich hin durch alle,
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Kehrt nach Medina zurück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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