9. Zaid an Zaida

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Johann Gottfried Herder: 9. Zaid an Zaida (1773)

1
Schöne Zaida meiner Augen!
2
Meiner Seele schöne Zaida!
3
Du, die schönste der Mohrinnen,
4
Und vor allen Undankbare.

5
Du, aus deren schönen Haaren
6
Amor tausend Neze stricket,
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Drinn sich, blind von deinem Anschaun,
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Tausend freie Seelen fangen!

9
Welche Lust empfandst du, Stolze,
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Dich mir also zu verändern!
11
Weist, wie sehr ich dich anbete,
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Und begegnest mir nun also!

13
Ach wie übel, süsse Feindin,
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Lohnst du meine treue Liebe!
15
Da statt Gegenliebe du mir
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Unbestand und Undank giebest.

17
Wie so schnell sind sie entflogen
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Deine Worte, deine Schwüre!
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Gnug, daß es die deine waren,
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Nahmen Flügel sie und flogen.

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Denke, wie an jenem Tage
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Du mir tausend Liebeszeichen,
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Ach so zarte Zeichen gabest,
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Daß so zart sie welken musten.

25
Denk, o denke, wenn dir, Zaida,
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Dies Erinnern jezt nicht widert,
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Welch Vergnügen du empfandest,
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Wenn ich deinen Pallast umzog.

29
Wenn am Tage auf den Punkt schnell
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Du hin an das Fenster hüpftest,
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Oder Nachts dich auf dem Balkon,
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Dich am Gitter sprechen liessest.

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Wenn ich ausblieb, oder säumte,
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Welche Eifersucht dich brannte;
35
Aber nun, wie bist du anders!
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Heissest mich, an Hof zu gehen.

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Heissest mich, dich nie zu sehen,
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Nie dir Briefe mehr zu schreiben,
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Dir, der einst so lieb sie waren,
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Und nun Unlust dir erregen.

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Ach, o Zaida, deine Liebe,
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Deine Gunst und süssen Worte
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Haben sich mir falsch entdecket,
44
Haben dich mir falsch erwiesen.

45
Kurz, du bist ein Weib, o Zaida,
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Nur geneigt zum Unbestande,
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Betest an, was dich vergisset,
48
Und vergiss'st, was dich anbetet.

49
Aber hasse mich, o Zaida,
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Dir in Nichts zu gleichen, will ich,
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Wärest du von hartem Eise,
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Mehr nur meine Flamme nähren,

53
Will dir deine Untreu lohnen
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Mit viel tausend Liebesängsten,
55
Denn, o Zaida, wahre Liebe
56
Wird sehr spät nur unbeständig.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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