8. Zaid und Zaida

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Johann Gottfried Herder: 8. Zaid und Zaida (1773)

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Durch die Strasse seiner Dame
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Wandelt Zaid auf und nieder,
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Harrend, daß die Stunde komme,
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Endlich komme, sie zu sprechen.

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Und schon geht der Mohr verzweifelnd,
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Da es sich so lange zögert,
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Denket: nur von ihr Ein Anblick
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Wird all meine Flammen kühlen. –

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Und da sieht er sie! Am Fenster
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Tritt hervor sie, wie die Sonne
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Aufgeht in dem Ungewitter,
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Wie der Mond im Dunkel aufgeht.

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Leise tritt ihr Zaid näher:
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Alla mit dir, schöne Mohrin!
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Ist es wahr, was meine Pagen,
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Deine Dienerinnen sagen?

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Sagen: Du willt mich verlassen,
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Wollest einem schnöden Mohren,
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Der von deines Vaters Gütern
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Kaum noch ankam, dich vermählen?

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Ist es wahr, o schönste Zaida?
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Sage mir es, täusche mich nicht,
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Wolle mir es nicht verhelen,
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Was so laut ja alle wissen!

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Tiefgebeugt erwiedert Zaida:
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Ja, mein Guter, es ist Zeit nun,
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Daß sich dein' und meine Freundschaft
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Trenne, weil es alle wissen.

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Um und an bin ich verlohren,
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Wenn die Sache weiter fortgeht,
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Alla weiß, wie es mich schmerzet,
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Wies mich drücket, dich zu lassen.

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Du weist wohl, wie ich dich liebte,
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Troz des Widerspruchs der Meinen,
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Weist, was ich mit meiner Mutter
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Für Verdruß und Kummer hatte,

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Wenn ich dich zu Nacht erharrte,
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Harrte, dich noch spät zu sehen;
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Dies auf Einmal mir zu enden,
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Wollen sie jezt – mich vermählen.

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Bald wird eine andre Dame
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Schön und artig dein seyn, Zaid,
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Die dich liebet, die du liebest,
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Weil du es verdienst, o Zaid.

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Tiefgebeugt der Mohr erwiedert,
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Hingedrückt von tausend Kummer:
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»nicht versteh' ichs, schöne Zaida,
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Wie du mit mir also handelst?

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Nicht versteh' ichs, wie du also
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Wechselst meine treue Liebe?
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Einem häßlich schlechten Mohren,
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Der so grossen Guts nicht werth ist.

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Warst du's, die auf dieser Stelle
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Zu mir sprach, noch jenen Abend?
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Dein bin ich, dein bin ich ewig!
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Dein, o du mein Leben, Zaid!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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