Die Schöpfung

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Johann Gottfried Herder: Die Schöpfung (1769)

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Einst war im weiten Schöpfungsraum
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Noch Alles öd und wüst und leer,
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Die Erd' ohn' Hügel, Thier und Baum,
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Ein großes, schwarzes, wildes Meer,
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Und Gottes Hauch schwebt' drüber her.
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Da sprach der Schöpfer aller Welt:
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»sei Licht!« Da stand das Meer erhellt,
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Das Licht war gülden, klar und schön;
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Gott sah's und freut' sich, 's anzusehn,
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Und nannt's und gab es seiner Welt.
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Das war der erste Tag.

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Drauf nahm Gott silberhelles Meer
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Und hub's so weit und breit hinan.
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Da floß es oben blau daher
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Hoch überm alten Ocean,
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Und zwischen ward hellweite Bahn,
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Die nannt' der Schöpfer aller Welt
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Stand blau und hell und klar und schön;
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Gott sah's und freut' sich, 's anzusehn,
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Und nannt's und gab es seiner Welt.
21
Das war der andre Tag.

22
Drauf nahm Gott unten Erdenmeer
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Und senkt' es in die Tief' hinab.
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Das Land stieg hoch darüber her,
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Und unten fand das Meer sein Grab,
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Wo Gott ihm Thor und Riegel gab.
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Da nannt' der Schöpfer aller Welt
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Es
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Voll Kraut und Gras und Baum und Laub
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Und drüber wehnder Samenstaub;
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Gott sah voll Lust ins blühnde Feld.
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Das war der dritte Tag.

33
Drauf schuf Gott hoch am Himmelszelt
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Zwei große Lichter, glänzend klar,
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Zu leuchten über alle Welt,
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Zu herrschen über Zeit und Jahr,
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Und um sie große Sternenschaar.
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Da nannt' der Schöpfer mächtiglich
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Die
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Kam sie, die Sonn', in Tagespracht,
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Der Mond als Königin der Nacht;
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Gott sah sie an und freute sich.
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Das war der vierte Tag.

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Drauf sah Gott auf die Tiefen her.
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Da regt' sich schwimmend große Schaar,
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Der Fisch und Walfisch in dem Meer,
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Der Vogel in den Lüften klar,
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Nach Ort und Art, wie Jedes war.
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Da sprach der Schöpfer väterlich,
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Sie segnend. Da freut' Alles sich;
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Der Fisch und Walfisch hüpft' im Meer,
52
Der Vogel schwirrt' in Lüften her;
53
Gott sah sie all' und freute sich.
54
Das war der fünfte Tag.

55
Drauf sah Gott hin ins grüne Feld;
56
Da regt' sich stäubend große Schaar
57
Von Wurm und Thier, und was die Welt
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Zum Kriechen oder Gehn gebar,
59
Nach Ort und Art, wie Jedes war.
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Da sann der Schöpfer feierlich
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Und sprach: »
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Ein Götterbild, ging hoch einher
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Und herrscht' auf Erd' und Luft und Meer;
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Gott sah's und segnet's väterlich.
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Das war der sechste Tag.

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Nachdem nun Alles war vollbracht,
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Erd', Himmel und ihr großes Heer,
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Und Alles gut und froh bedacht
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In Luft und Kluft und Land und Meer,
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Und Gottes Bild herrscht drüber her;
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Da sprach der Schöpfer aller Welt:
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»sei Sabbath!« Und sein Himmelszelt
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Ward Ruh; die weite Schöpfung lag
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Und schwieg. Da heiligt' er den Tag
75
Und nennt' und segnet' ihn der Welt.
76
Das war der siebente Tag.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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