Eine Theodicee

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Johann Gottfried Herder: Eine Theodicee (1763)

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»erwache!« sprach ein Gott, und sieh! ich sah,
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Und weite Nacht war um mich da,
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Und über mir ein Heer gesä'ter Sterne
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Erhob mein Aug'! Wie der, dem Orkus nah
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In Cimmers Kluft nur Höllenstimmen ferne
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Herrauschen hört, nur ew'ges Schwarze sah
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Und, schnell ins Meer des Lichts entzückt,
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Weitäugig starrt – halb sieht – nur Zauberei erblickt –
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Schon sehen lernt – und sieht, sieht Alles Pracht!
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Er fühlt's, nennt, stammelt: »
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So stand ich, staunte, griff nach Sternen, staunte mehr,
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Und Wirbelwind ward um mich her.
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Schnell bin ich hoch – tief unter mir die Erde,
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Bei mir ein Gott, Mensch an Geberde,
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Vor mir der Sonnenkreis.
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Ich sah Unendliches – ich fühl und seh' und höre
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Die Harmonie der ganzen Sphäre,
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Was Newton zählt, der Seraph weiß
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Und Gott erschuf. – Gott, Du bist hier;
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Der Seraph singt Dir, Newton forscht dort Sterne,
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Die ich von ihm einst, meinem Seraph, lerne,
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Und ich – hier knie' ich Dir.
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O Du, von dem einst Funken, Sonnen, troffen,
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Der von dem Chaos Klöße riß –
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Noch fühlen sie den Wurf; sie laufen dort, sie brennen,
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Bis einst Dein Wink ins Nichts sie stieß.
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Noch glänzt im Mittelthron die Sonn', Dein Bild,
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Die um sich Welten ewig ohne Ruh
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An goldnen Seilen lenkt. Die stelltest Du!
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Wer, wo bist Du? – Könnt' ich Dich, ach, nur sehn, nicht nennen!
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Wen? – Dich, in Sonnen und ins Nichts verhüllt!
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Du schufst da Was und Wenn und Wo?
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Und bist Du –?
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Ach, Erde, Mutter, der ich bin,
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Was bist Du? mir schon! was dem Erdengeist,
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Der von dem höchsten irdischen Gedanken hin
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In Deine Tiefe blickt und Engel wird?
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Und was denn Gott? O Gott, mein Auge irrt
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Ueber und unter mir umher – mir wird
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Das All zum Nichts, das Nichts zum Allen!
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Du bist im Nichts das All. – Wer reißt
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Mich los von Erd' und Sonne? dort sind Sonnen!
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Sonnen, wo ist die, um die Ihr Erden seid?
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Wo ist des Allen Kraft? wo hat das

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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