Wünsche um einen Freund

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Johann Gottfried Herder: Wünsche um einen Freund (1765)

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Um mich ist Wüst' – und wo mein Freund?
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Herrscht meine Kainsstirn ihn weit zurück?
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Bin ich für ihn blos Mannthier noch?
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Wie? oder ist kein Freund?

5
Sprich, Freundin Muse! – Doch bin ich
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Mir nicht selbst Muse? – Bin ich auch mein Freund? –
7
Sprich schwarze Funken, Seelenbrand!
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Nie, nie bin ich mein Freund!

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Bleib' ich mir treu? – Nein! Schwur wird Scherz!
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Mein Bollwerk spreng' ich selbst und küss' den Feind;
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Auch meine Thräne rührt mich nicht!
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Nicht Freund! ich bin mein Feind!

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Dort schwebt mein Geist, von mir ermord't –
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Vertriebne Zeit – hier modert Jugendblut.
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Noch modr' ich krächzend selbst im Staub
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Und lieg' und hab' mich nicht!

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Gieb, Pluto, einen Schatten mir,
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Der, blos für mich geborn im todten Bild,
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Mich weck' und lehr' und für den Freund
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Den

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Der jetzt vielleicht in Felsennacht
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Mit Blut und Armuth kämpft, der Pallas' Pan-
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zer küßt, mich männlich einst umarmt
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Und vor mir, Pallas nach,

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Den kalten Hämus bald steil auf,
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Bald Erymanthus' schwarzen Wald durchjagt
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Und hirschgekrönt, wie Hercul, rauh
28
Zum Himmel dringt und herrscht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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