An Denselben

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Gottfried Herder: An Denselben (1776)

1
Kann Euch in Jamben ungereimt und prächtig
2
Denn heut sogar antworten nicht; ohnmächtig
3
Mög'n Knittelverse zur Antwort sein
4
Und dem Heldensänger wohl gedeihn!
5
Zuerst kam Dein prosaisch Brieflein an.
6
Verzeih, wenn Dir mein letzter Wetterhahn
7
Hat etwas zu Leid gethan!
8
War nicht mein's Herzens Grund,
9
War nur ein' böse Stund.
10
Ich lieb' Dein' Seele, rein als Gold,
11
Und dau'rt mich, daß Du Dich mit Briefen quälen sollt,
12
Die immer aufschnappen nach Himmelsluft
13
Und riechen nicht des Freundes Duft.
14
Woll'n uns einander helf'n und tragen
15
Und nicht die Seel' aus'm Leibe jagen.
16
Darinnen lag von Mägdleins Hand
17
Ein Brieflein hold und unbekannt,
18
Kam mir wie Manna an zur Stund
19
Aus der Aurora goldnem Mund.
20
Ich streckt' meine Hände hin zu ihr,
21
Wußt' nicht, zu wem, und war bei Dir.
22
Und leg' ein'n Gruß in Deine Hand,
23
So heilig, wie ins Engelsland
24
Einer lieben Verklärten zu tragen,
25
Ihr Dank und Dank und Dank zu sagen,
26
Daß sie in holder Unschuldtracht
27
Mich so – beschämt gemacht.
28
Konnt' nie für solchen Engel schreiben
29
Und werd's auch lang' noch lassen bleiben,
30
Ob denken an sie in sel'ger Stund
31
An der Aurora Rosenmund,
32
Wenn ich sie noch einmal kann ansehn,
33
Und Gottes Gedanken in mir aufgehn,
34
Wie er sie schaffend – doch genung!
35
Ich schreib' ja Lästerung.
36
Dein Versebrief ist gar nicht wahr;
37
Drum ist er auch
38
Und kam auf großen Stelzen schwer
39
Zum
40
Der eben hinterm Kirchenthurm
41
Sich fühlt' und wand, ein armer Wurm,
42
Ging nicht an
43
Die Ilm hinan! lag, Gott erbarm'!
44
Zehn Klafter tief im Erdenschooß
45
Und fühlt' keinen Quell, der von ihm floß,
46
Fühlt' keinen Tropfen Labung, wie
47
Ihn 's Herz und nicht die Phantasie
48
Begehrt und doch nur im Wahntraum kennt,
49
Wenn es nicht Christus' Name nennt.
50
Den wir denn freilich Alle nennen
51
Und sing'n und jubeln und doch nicht kennen,
52
Woll'n Teufel austreiben und Wunder thun
53
Und können noch in ihm nicht – ruhn.
54
Ja, ruhn, mein Freund, als wie ein Kind,
55
Und warten, ob nicht, wohlgesinnt,
56
Ueber aller Erdenväter Schaar
57
Uns unser Vater ganz und gar
58
Was gebe, was wir nicht – verstehn,
59
Weder mit Tichten noch Trachten sehn,
60
Nicht erfliegen und nicht erzwingen,
61
Nicht erschnappen und nicht erringen
62
Durch aller Wörter Kuppeltand,
63
Der uns itzt ist statt Bruderband.
64
Gebe Dir und mir Gott den Frieden,
65
Von ew'ger Ewigkeit beschieden,
66
So wird ihn Dir mitsammt dem Glauben
67
Weder Breitinger noch Hottinger rauben.
68
Amen!
69
Nutzt Dir's nicht, und ist's ohn' Beschwer,
70
So schick mir meinen armen Christus her!
71
Er ist besser als all', die Herr Junker
72
Dahingeschwärmt hat auf Deinem Speer.
73
Leb wohl und bet Dich zu mir her!
74
Und zerreiß dies Blättlein kreuz und quer!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Gottfried Herder
(17441803)

* 25.08.1744 in Mohrungen, † 18.12.1803 in Weimar

männlich, geb. Herder

deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Theologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.